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Segelfliegen ist ein Männerhobby, oder?

Immer wieder fragen mich Leute ungläubig: „Aber wie kommst DU eigentlich zum Segelfliegen?“ Unterschwellig lassen sie dabei zwei Dinge durchklingen, die mich doch öfter mal zum Nachdenken gebracht haben:

  1. Segelfliegen ist eigentlich etwas für Männer.
  2. Du siehst nicht so aus als könntest du das.

Es stimmt… beides irgendwie. Ich bin 1,60 m groß, wiege 50 kg und muss mich wirklich anstrengen, um im Segelflugzeug an alle für mein Überleben relevanten Hebel, Schalter, Knöpfe, Rädchen etc. zu kommen. Hört man den Funksprüchen auf deutschen Flugplätzen zu, hört man auch nur sehr selten mal eine weibliche Stimme.

Aber wie komme ich denn jetzt zum Segelfliegen?! Ich bin mir nicht so sicher, ob man diese Frage überhaupt beantworten sollte. Wird jemals jemand gefragt: „Aber wie kommst du eigentlich zum Volleyball/Fußball/Stricken/Töpfern/Yoga/Nichtstun?“? Wieso braucht man einen Grund, um das tollste Hobby der Welt zu betreiben? Es ist doch offensichtlich: Fliegen ist das Schönste auf der Welt! So bin ich dazu gekommen. Punkt.

Viel legitimer ist die Frage: „Wieso fliegst du immer noch, obwohl du doch genau weißt, dass es ein Männerhobby ist und so ein Segelflugzeug ergonomisch nicht wirklich auf dich zugeschnitten ist?“  

Es gibt tatsächlich imaginäre und reale Hindernisse und Stolpersteine beim Frauensegelflug, die man sich teilweise auch selbst in den Weg legt. Allen voran gibt es einfach kaum weibliche Vorbilder. Es gibt niemanden, der einem zeigt oder vormacht, wie man im Flugzeug pinkelt, was man auf dem Flugplatz anziehen sollte und wie man Männerwitze zu interpretieren hat. Auf diversen Blogs finden sich Selbsthilfegruppen von „Flieger-Frauen“, d.h. Frauen, deren Partner Segelflieger sind. Andere Blogs sehen das Segelfliegen für Frauen als Chance für die Partnersuche und mir stellen sich schon beim Schreiben dieses Satzes sämtliche Nackenhaare auf.

Die Antwort auf die Frage, warum ich das Fliegen so liebe und immer noch nicht aufgegeben habe, ist also gar nicht mal so einfach. Aber ich möchte sie in meinem Blog/Homepage-Mix beantworten und habe daher in mühseligen Parameterstudien sowohl Männerwitze als auch diverse andere Stolpersteine empirisch untersucht. Die ganze Seite soll sich primär an Mädchen und Frauen richten, die sich für das Segelfliegen interessieren. Auf den einzelnen Menü-Seiten werde ich immer wieder kleine Anleitungen und Interessante Erfahrungen veröffentlichen, während ich mich im Blog mit für mich aktuellen Themen befasse. Natürlich dürfen und sollen Männer auch mitlesen 😉 Ich freue mich auch immer über Anregungen und Tipps.

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Make Segelfliegen great again!

Kennt ihr sie auch? Die Trumps der Flugplätze? Diejenigen, die mit ihrem Geschrei das Segelfliegen, den Flugplatz, die Flugzeuge und sogar das Wetter „great again“ machen möchten?

Torsten Beyer hat es in seinem Blog richtig formuliert: „Düsternis überall“ und „Immer weniger Segelflieger“. Neben der Tatsache, dass die Anzahl der Segelflieger in Deutschland sinkend ist, gibt es zudem immer mehr Bürokratie. (Keine alternativen, sondern richtige Fakten!)

Und es ist im Segelflug eigentlich wie in der Politik: In schwierigen Zeiten können besonders narzisstische Persönlichkeiten ganz besonders in Vereinen hervorstechen. Sie stehen dann am Start und kommentieren jeden falschen Schritt eines jeden Neulings und Flugschülers und auch der älteren Kollegen, die eigentlich nichts falsch gemacht haben. Da wird falsch Leppo gefahren, hier wird falsch Startkladde geschrieben, dort werden falsche Rechnungen geschrieben und sowieso macht nie jemand jemals etwas richtig. Selbst fliegen sie eigentlich selten, diese Trumps. They’re not even real pilots! Fake pilots! 

Meine Meinung: Total desaster! It’s true!

Die Pilotrumps vergessen dabei eins: Segelfliegen ist ein Hobby! Zumindest für die meisten von uns. Hobbys sind dazu da, um Spaß zu haben, so als Ausgleich zum Berufsleben. Ich möchte mich an meinen Wochenenden entspannen und mich nicht ärgern, dass mich wieder ein Despot anschreit, ich solle doch mein Auto einen Millimeter weiter links parken, damit er besser ins Gebüsch urinieren kann.

Nun kann man auch niemanden aus dem Verein ausschließen, nur weil er unsympathisch ist oder sich mal daneben benimmt. Schließlich profitieren wir alle von unserer Vereinsdemokratie. Was man aber machen kann: Grab them by the Steuerknüppel! Meiner Meinung nach können viele wichtige Ämter in Vereinen wegrationalisiert werden. Wir handhaben es beispielsweise so: Es gibt eine größere Anzahl an vertrauenswürdigen Personen, die im Vereinsflieger Admin-Rechte haben. Sowieso sollte alles digitalisiert werden, um sich das Leben einfacher zu machen. Darüber hinaus sollte jeder Zugriff auf die digitale Startkladde und sonstige Informationen zu unserem Verein haben – die persönlichen Daten natürlich ausgeschlossen. Damit werden nicht nur vermeintlich wichtige Ämter wegrationalisiert, sondern auch Wichtigtuer, die der festen Überzeugung sind, der Verein würde ohne sie ins Verderben rutschen. Viele Unternehmen haben inzwischen auch erkannt, dass die strikten hierarchischen Strukturen nicht produktiver sind als die Verantwortung auf viele zu übertragen. Wie seht ihr das?

Ansonsten ein paar (alternative) Fakten zum Schluss:dj

frauensegelflug.blog is the best Blog ever – you’ll love it! It’s great! It’s true!

Folge meinen Blogbeiträgen, denn bei mir ist Segelfliegen first!

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Best of soaring 2016 – Bilder aus dem vergangenen Jahr

Tolle Bilder und Eindrücke von Chris Hiller aus der Luft. Ich freue mich schon auf die von 2017!

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Am Ende des Jahres ist es immer an der Zeit, die geschossenen Fotos aus der Vergangenen Saison noch einmal durch zu gehen, um die schönsten Bilder erneut zu überarbeiten und dann zusammen zu fassen. Veröffentlicht habe ich sie in der Vergangenheit immer auf Facebook. Dieses Jahr werden die schönsten Bilder jedoch auch hier veröffentlicht. Viel Freude beim Anschauen:

Ursprünglichen Post anzeigen

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43. Hexentreffen in Kaub am Rhein

Kaub am Rhein gehört der Verbandsgemeinde Loreley an. Ein sehr passender Ort für ein Hexentreffen, finde ich. Schließlich hat die Loreley, die eine Zauberin oder Nixe ist, mit ihrem blonden Haar so manche Seefahrer verhext und so manche Schiffe zum Kentern gebracht. Ich frage mich, ob auch schon Segelflugpiloten von ihr abgelenkt wurden…

Ich fand den Ort anfangs auch sehr praktisch, da meine Mutter fast genau gegenüber in Oberwesel wohnt. Als langjährige Mosel-Bewohnerin dachte ich, es gäbe auch am Rhein alle 5 Meter eine Brücke über den Fluss und ich könnte nachts nach der Weinprobe sicherlich nach Hause laufen. Naja… als ich ankam, wurde ich von der Realität eingeholt. Zwischen Mainz und Koblenz gab es keine einzige Brücke und Kaub war unerreichbar für mich von der falschen Seite…. Es war zwar eisig kalt, aber nicht so sehr, dass der Rhein zugefroren war. Ich musste auf den nächsten Tag und auf die Fähre warten und verpasste leider die Weinprobe.  😦

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Kaub – irgendwie auf der falschen Seite des Rheins. Ja, das war ein bisschen blöd 🙂

Das diesjährige Hexentreffen verpasste ich nicht. Es war das 43. (!!) Treffen von Segelflugpilotinnen (mein erstes Treffen!) und hatte eine rekordverdächtige Anzahl an Teilnehmerinnen von über 120! Dass es überhaupt so viele Pilotinnen in Deutschland gibt, freut mich sehr. Sabine Theis, Segelfliegerin, Mutter, Vorsitzende des Bundesausschusses für Frauen und Familien im DAeC und Frauenbeauftragte des Rheinlandpfälzischen Luftsportverbandes hat sich im Auftakt mit dem Wort „Hexe“ beschäftigt und mit dem Grund, warum unsere Segelfliegerinnen-Treffen als Hexentreffen bezeichnet werden. Sie sagt: „Hexen waren im Mittelalter Frauen, teilweise auch Männer, mit ungewöhnlichen Ansichten und fremdartigem Verhalten, schlecht angesehen, von Männern oder der Kirche verfolgt, gefoltert, verbrannt. Hässliche Gestalten mit Runzeln und Warzen, zwielichtig, mit dem Teufel im Bunde, flogen sie durch die Lüfte und verzauberten rechtschaffene Bürger.“

Nicht sonderlich schmeichelhaft für uns Segelfliegerinnen. Ein Auszug aus der Beschreibung der Geschlechterrolle der Frau aus Wikipedia bringt allerdings etwas mehr Klarheit: Die Frau wird als „abhängig, subjektiv, passiv, nicht wettbewerbsorientert, nicht abenteuerlustig, nicht selbstbewusst, nicht ehrgeizig, des Weiteren als taktvoll, friedlich und gefühlsbetont“ beschrieben.

Demnach müssten wir Frauen uns im Segelflug – laut der Beschreibung – in den Rollen der Kinderbetreuung, beim Verkauf von Kuchen, dem Catering und als nettes Beiwerk wiederfinden. Die Realität sieht zum Glück ganz anders aus! Wir Segelfliegerinnen entsprechen so gar nicht dem, was von uns erwartet wird und finden uns zum Glück auch nicht in den Geschlechterstereotypen wieder. Im Mittelalter wären wir sicherlich alle verbrannt worden!

Ein Vortrag auf dem Hexentreffen hat es mir besonders angetan: der Vortrag von Ingrid Blecher, der „Mutter aller Hexentreffen“ laut Sabine. Ingrid ist für mich eine Pionierin, sie hat uns Frauen allen den Weg geebnet für den Flugsport, indem sie für uns den Geschlechterkampf kämpfte. Sie hatte in ihrer ganzen Laufbahn immer wieder Probleme mit „den Älteren“ in den Vereinen, die Frauen nur hinter dem Herd kannten. Beispielsweise wollte man sie als Mädchen nicht beim Bezirksvergleichsfliegen mitlosen lassen. Den Verein durfte sie damals auch nur wechseln, weil sie bereits verheiratet war und daher keine Gefahr für die anderen Segelflieger darstellte. Nachdem sie sich freigeflogen hatte, traute man sich nicht, ihr den Hintern zu versohlen, sondern schmierte ihr Gesicht mit Schuhcreme ein u.s.w… Ihre vollständige Rede mit vielen historischen Daten und einigen Bildern findet ihr hier.

Übersicht über die Vorträge:

  • Ingrid Blecher, die „Mutter aller Hexentreffen“ über die Geschichte der Hexentreffen.
  • Carolin Rothhard über das Segelfliegen in der Elternzeit.
  • Ein sehr schöner Vortrag von 7 Mainzerinnen, die mit 3 Flugzeugen in den Norden an die Küste flogen und mit 2 Flugzeugen zurückkamen.
  • Monika Herr – Boeing 747-Kapitänin bei der Lufthansa mit großen Herausforderungen und Umwegen bei der Verwirklichung ihres Traums.
  • Rekordfliegerin Margherita Acquaderni von Fly Pink Italy ist die Präsidentin des Aero Club Adele Orsi und hat über die Geschichte des Frauensegelflugs in Italien berichtet.
  • Sogar ein Mann durfte hier was sagen und zwar über das Wetter: Meteorologe Bernd Fischer – ja, die Klimaerwärmung ist real! Das hat er uns gezeigt.

Chronik aller Hexentreffen bisher

 

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Weihnachtsprogramm für Segelfliegerinnen – Babajaga

Für alle, die an Weihnachten gerne fernsehen und noch einen schönen Film für zwischendurch suchen… Babajaga – Hexen im Aufwind. Über Frauen, die die Leidenschaft fürs Fliegen teilen und über Freundschaften, die über Ländergrenzen hinausgehen.

Übrigens ist Babajaga (oder auch Baba Jaga) in meiner Heimat, Ex-Jugoslawien, eher als Ježibaba oder Baba Roga bekannt. Die Hexen-artige Figur hat mich schon als Kind fasziniert (und ein bisschen gegruselt) und ich bin stolz drauf, jetzt selbst eine Ježibaba zu sein  🎄🎁

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Frauen pinkeln auch beim Segelfliegen

Sommer 2016. Ich stehe in Frankreich abgeschottet in einem Waldstück direkt neben der Landstraße. Wir sind auf dem Weg zum Fluglager nach St. Quentin. Vor mir ist eine Koppel. Ein Pferd starrt mich von weitem entsetzt an. Sicher denkt es: „Da ist eine Frau, die im Stehen pinkeln will! Ganz bestimmt heißt die Alice Schwarzer!“ Es kann ja nicht ahnen, dass ich das nicht wegen der Emanzipation mache, sondern weil ich mit meinem neuen Urinableiter üben möchte, bevor ich ihn beim Fliegen verwende. Also stehe ich da und starre zurück. Und es kommt nichts. Ich denke mir innerlich: ENTSPANNEN! Entspann dich endlich…! Es funktioniert nicht. Es ist vollkommen unnatürlich, dabei zu stehen und ich fühle mich auch etwas beobachtet. Ich hypnotisiere mich fast in vollkommene Entspannung, um meine Blase um ein paar Tropfen zu erleichtern. Es reicht nicht, sich als Frau einfach eine Bordtoilette zu kaufen. Man muss das üben. In allen unmöglichen Situationen, sodass es auch in einer Stresssituation funktioniert. Z. B. wenn man von einem Pferd beobachtet wird… Erst wenn das funktioniert, kann man relativ sicher sein, dass es auch im Flug klappt.

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, dass ich angefangen habe, mich mit Bordtoiletten für Frauen zu beschäftigen. Ich übe zu Hause, auf der Toilette, auf der Arbeit und auf der Couch mit entsprechender Unterlage. Manchmal läuft es schief, aber meistens „läuft“ es gut. Ich habe noch lange nicht alle Bordtoiletten ausprobiert, die es für Segelfliegerinnen gibt. Besonders die Methode von Katrin Senne klingt vielversprechend. Die probiere ich als nächstes.

Mein bisheriger Favorit, der wirklich ganz gut funktioniert: Der Whiz Freedom*

Aber es gibt auch Alternativen dazu, die ich in meinem neuen Bericht detaillierter beschreibe mit vielen Tipps drumherum: → Pinkeln beim Segelfliegen für Frauen

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*Affiliate-Link

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1296 km in Namibia

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das motivierend oder demotivierend ist, dass mein persönliches Ziel für die nächsten Monate ungefähr 10 % dieses Fluges beträgt.  😉

Phantastischer Bericht von Frerk… in Bitterwasser möchte ich auf jeden Fall jetzt auch fliegen!

Unverhofft kommt oft – 1.296 km bei schlechter Vorhersage

(OLC: http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?flightId=-284876822)

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Der erste OLC-Eintrag

Gestern, am 11.12.2016 konnte ich direkt zwei Premieren feiern. Mein erstes eigenes Wellchen und meinen ersten OLC-Eintrag. (Ja, unser Vereins-Volkslogger wird nicht besonders oft verwendet. Eigentlich nie…)

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Viel Steigen hatte ich leider nicht, meistens ca. 1 m/s, es hat aber gereicht, um einigermaßen die Höhe zu halten und mal wieder zu fliegen trotz Winterpause. Mein Ziel für den Winter sind mindestens 100 km in einer Welle.

Beim gestrigen Flug sind mir aber zwei Herausforderungen aufgefallen, die man als Frau beachten muss:

  1. Kälte! ❄☃❄ Eigentlich war es auf dem Boden nicht so kalt, aber in der Höhe sind mir trotz gefütterter Schuhe die Füße eingefroren. Frauen sind meist etwas kälteempfindlicher als Männer, hier muss ich noch Möglichkeiten finden, um warm und trotzdem bewegungsfähig zu bleiben.
  2. Pinkeln bei eisiger Kälte, wenn man viel anhat und sich kaum bewegen kann. Und pinkeln muss man bei der Kälte auf jeden Fall nach nur kurzer Zeit. Funktioniert im Moment nicht mit den gebräuchlichen Mitteln wie üblichen Pinkeladaptern in der Luft. Das nehme ich mal als Anreiz, mehrere Dinge auszuprobieren…

→ Lösungsberichte folgen  🙂

Aber neben den Problemen gab es natürlich auch schöne Eindrücke und Bilder in der Luft.