Segelfliegen ist ein Männerhobby, oder?

Immer wieder fragen mich Leute ungläubig: „Aber wie kommst DU eigentlich zum Segelfliegen?“ Unterschwellig lassen sie dabei zwei Dinge durchklingen, die mich doch öfter mal zum Nachdenken gebracht haben:

  1. Segelfliegen ist eigentlich etwas für Männer.
  2. Du siehst nicht so aus als könntest du das.

Es stimmt… beides irgendwie. Ich bin 1,60 m groß, wiege 50 kg und muss mich wirklich anstrengen, um im Segelflugzeug an alle für mein Überleben relevanten Hebel, Schalter, Knöpfe, Rädchen etc. zu kommen. Hört man den Funksprüchen auf deutschen Flugplätzen zu, hört man auch nur sehr selten mal eine weibliche Stimme.

Aber wie komme ich denn jetzt zum Segelfliegen?! Ich bin mir nicht so sicher, ob man diese Frage überhaupt beantworten sollte. Wird jemals jemand gefragt: „Aber wie kommst du eigentlich zum Volleyball/Fußball/Stricken/Töpfern/Yoga/Nichtstun?“? Wieso braucht man einen Grund, um das tollste Hobby der Welt zu betreiben? Es ist doch offensichtlich: Fliegen ist das Schönste auf der Welt! So bin ich dazu gekommen. Punkt.

Viel legitimer ist die Frage: „Wieso fliegst du immer noch, obwohl du doch genau weißt, dass es ein Männerhobby ist und so ein Segelflugzeug ergonomisch nicht wirklich auf dich zugeschnitten ist?“  

Es gibt tatsächlich imaginäre und reale Hindernisse und Stolpersteine beim Frauensegelflug, die man sich teilweise auch selbst in den Weg legt. Allen voran gibt es einfach kaum weibliche Vorbilder. Es gibt niemanden, der einem zeigt oder vormacht, wie man im Flugzeug pinkelt, was man auf dem Flugplatz anziehen sollte und wie man Männerwitze zu interpretieren hat. Auf diversen Blogs finden sich Selbsthilfegruppen von „Flieger-Frauen“, d.h. Frauen, deren Partner Segelflieger sind. Andere Blogs sehen das Segelfliegen für Frauen als Chance für die Partnersuche und mir stellen sich schon beim Schreiben dieses Satzes sämtliche Nackenhaare auf.

Die Antwort auf die Frage, warum ich das Fliegen so liebe und immer noch nicht aufgegeben habe, ist also gar nicht mal so einfach. Aber ich möchte sie in meinem Blog/Homepage-Mix beantworten und habe daher in mühseligen Parameterstudien sowohl Männerwitze als auch diverse andere Stolpersteine empirisch untersucht. Die ganze Seite soll sich primär an Mädchen und Frauen richten, die sich für das Segelfliegen interessieren. Auf den einzelnen Menü-Seiten werde ich immer wieder kleine Anleitungen und Interessante Erfahrungen veröffentlichen, während ich mich im Blog mit für mich aktuellen Themen befasse. Natürlich dürfen und sollen Männer auch mitlesen 😉 Ich freue mich auch immer über Anregungen und Tipps.

Fliegende Wikinger

Read this text in English.

Während am 11. November dieses Jahres in Deutschland die Karnevalszeit gestartet ist, habe ich eine Einladung der Dänischen Segelfliegerunion dankend angenommen und als Anlass genutzt, um den Karnevalsjecken zu entfliehen.

Ich wurde bei der Ankunft nicht enttäuscht. In einem kleinen Örtchen namens Middelfart waren die Koryphäen der Segelfliegerwelt vertreten! Mein absolutes Highlight waren die Vorträge von Prof. Loek Boermans von der TU Delft, der sich mit der Forschung und Entwicklung von Laminarprofilen befasst, sowie von Uys Jonker – der Name sagt es schon – dem Inhaber von Jonker Sailplanes, der sicherlich eines der innovativsten Segelflugzeuge der Welt vorgestellt hat – die JS3.

Auf dem Konferenzprogramm stand auch mein Name und ich sollte einen Vortrag über fliegende Frauen und die Notwendigkeit von mehr Frauen in Segelflugvereinen halten – also im Groben meinen Blog vorstellen 😊

 Segelflugkonferenz

In Dänemark ist die Situation ähnlich wie bei uns in Deutschland. Auf der Konferenz waren einige wenige Frauen in den Reihen, die Mehrheit waren allerdings Männer. Meine größte Angst war, dass mein Vortrag als feministische Provokation aufgefasst wird und die dänischen Männer beschließen, in Zukunft gar keine Frauen mehr in ihren Vereinen aufzunehmen – aus Angst, dass so eine wie ich ihnen sexistische Witze verbieten möchte. Da habe ich wohl die dänischen Wikinger-Gene unterschätzt, denn das genaue Gegenteil ist auf dieser Konferenz passiert:

„Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.“ – Simone de Beauvoir

Und die Dänen – als Nachkommen der Wikinger – sind sich ihrer Männlichkeit sehr wohl sicher. Denn in Sachen Feminismus konnte ich sogar noch etwas von ihnen lernen. Ich musste feststellen, dass ich mir mein Leben lang männliche Verhaltensweisen angeeignet habe, um mich in der männerdominierten Welt zu etablieren und zurecht zu finden, beruflich wie privat. „Bloß keine weiblichen Züge zeigen!“ – „Bloß nicht als schwach gelten!“ – „Bloß nicht als Frau auffallen und sagen, dass ich Hilfe brauche!“

Jahrelang habe ich demonstrativ mein Blei selbst getragen, ohne dass ich auch nur Anstalten gemacht habe, jemanden um Hilfe zu bitten, der mir offensichtlich körperlich überlegen ist. So habe ich auch jahrelang im Maschinenbaustudium und auch während der Promotion vollkommen ignoriert, dass meine Herangehensweise an Probleme eine ganz andere ist als bei meinen männlichen Kollegen und meine Art der Kommunikation eine andere ist. Und dann komme ich nach Dänemark und muss feststellen, dass die Dänen längst erkannt haben, dass das so nicht sein muss.  

Das Fazit der Dänen kann man ungefähr so zusammenfassen: „Wir wissen, dass ihr Frauen nicht so seid wie wir und eure Herangehensweise ans Fliegen eine andere ist. Wir werten das nicht als besser oder schlechter, sondern einfach als anders. Da die Segelflugvereine allerdings von Männern geschaffen sind, sind sie für uns optimiert und nicht für euch. Wir möchten wissen, was wir ändern müssen, damit ihr euch in den Vereinen wohlfühlt und auch Streckenflug macht.“

WOW, ich bin jetzt 32 und habe so lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich meine Weiblichkeit nicht zwanghaft bekämpfen muss, um erfolgreich in der Welt zu sein. Denn meine Weiblichkeit ist nichts Negatives, wofür ich mich schämen muss, sie ist einfach genetisch bedingt. Ich bin dadurch nicht schlechter beim Fliegen und meine andere Herangehensweise an Probleme macht mich nicht zu einer schlechteren Ingenieurin. Vielmehr denke ich inzwischen, dass Männer und Frauen sich ideal beruflich und privat ergänzen. In dieser Hinsicht sind uns die Dänen, wie die meisten nordischen Völker, weit voraus. Diesen Stand der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen müssen wir in Deutschland erst noch erreichen.

Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich ein Teil der Segelflieger-Konferenz in Dänemark war und diese Sichtweise gelernt habe. Jetzt kann ich auch viel entspannter mit meinen „weiblichen Schwächen“ umgehen und habe mir fest vorgenommen, in der nächsten Saison die Männer beim Tragen von Blei um Hilfe zu bitten und nicht die Heldin zu spielen.

Ein großer Dank an die fliegenden Wikinger! Ihr seid auf dem richtigen Weg!

Vielen Dank auch an Jørgen Korsgaard für seine fortschrittliche und kluge Denkweise und die Einladung zu dieser tollen Veranstaltung. 🙂 

Emanzengetue

Gestern bekam ich folgende „anonyme“ Nachricht. Ob der Name des Versenders stimmt, weiß ich nicht. Seine Email-Adresse tut es nicht, sodass er meine Antwort leider nicht bekommt. Also daher auf diesem Wege:

TM_Nachricht

Guten Morgen,

danke für den Tipp, vielleicht benenne ich den Blog wirklich um. Im gleichen Atemzug möchte ich auch Ihnen einen ernsthaften, gut gemeinten Tipp geben: Menschen haben manchmal andere Meinungen als Sie. Das ist gut so und das macht die Diversität unserer Welt aus. Fühlen Sie sich doch nicht so angegriffen durch die Meinungen anderer. Sonst kommt es noch dazu, dass Sie willkürlich fremden Menschen samstags abends schriftliche Beleidigungen schicken und nicht daran denken, dass diese Menschen womöglich Ihre IP-Adresse haben (IP Thomas Müller: 217.19x.xx.xxx). Sie könnten sich damit nur selbst Probleme bereiten.

Ich nehme an, dass Sie einfach nur überreagiert haben. Ich habe kein Interesse daran, Ihnen Probleme zu machen. Segelflieger sollten unter sich sowieso loyal bleiben. Ich kann Ihre Überreaktion auch vollkommen verstehen, mir stößt die Meinung anderer auch manchmal bitter auf. Ich fühle mich z. B. oft irrationalerweise von Afd-Wählern persönlich angegriffen, da ich 1992 selbst als Flüchtling nach Deutschland kam. Wenn ich denen aber Beleidigungen schicke, bestärke ich ihre Meinung einfach nur und mache mich womöglich strafbar. Also bleibe ich erwachsen und ignoriere solche Menschen.

Dass ich so bin wie ich bin und diesen Blog so schreibe wie ich ihn schreibe, liegt sicherlich an dem Päckchen, welches auch ich auf meinem Buckel zu tragen habe. Ich erwarte nicht von Ihnen, dass Sie sich in mich hineinversetzen können. Wenn Sie sachliche Kritik an meinen Texten haben, freue ich mich darüber. Ich weiß, dass mein Blog nicht das Gelbe vom Ei und sicherlich verbesserungswürdig ist. Ich versuche andere Meinungen zu akzeptieren und möchte auch diverse Sichtweisen in meinem Blog aufnehmen. Wenn Sie etwas sachlicher bleiben würden, könnte ich mit Ihren Anmerkungen sicherlich mehr anfangen und Sie würden mir helfen, meine Texte zu verbessern. Wenn Sie allerdings nur Luft ablassen wollen, dann tun Sie das bitte woanders und nehmen Sie sich den Tipp von oben zu Herzen, damit Sie keine Probleme bekommen.

Allseits gute Landungen,
Jovana Dzalto

Außenlandung – der noch härtere Sport als Segelfliegen

Oje oje… wenn man sich die Bilder anschaut, denkt man, ich hätte nichts gelernt. Jeder Segelflieger würde sagen „braun vor grün!“. Warum lande ich also (nach meiner spektakulären Rhabarberlandung) diesmal in einem Weizenfeld (*Gerste!)?

Ganz einfach: Das bin ich gar nicht. Ich bin in dem braunen Kartoffelfeld daneben gelandet. Da lag allerdings ein dickes, rostiges Metallrohr (gleiche Farbe wie das Kartoffelfeld), welches dem Astir CS beim Ausrollen die Fahrwerksklappen gebrochen, das Flugzeug wieder in die Luft geschleudert und einige Meter nebendran ins Weizenfeld (*Gerste) versetzt hat.

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Astir CS im Gerstenfeld

Aber mal alles ganz von Anfang an:

Es war ein extrem vielversprechender Tag am 16. Juni 2017. Mein Freund Frank wollte 1000 km fliegen und ich ungefähr ein Zehntel davon. Außengelandet bin ich vor dem letzten Wendepunkt ungefähr an der schwarzen Markierung.

Aufgabe_Außenlandung

Anfängeraufgabe und Außenlandemarkierung

Am Anfang lief alles bestens! Der Westwind war zwar stark, machte mir aber in der Nähe des Flugplatzes noch keine großen Sorgen. Ich zentrierte die Thermik als hätte ich mein ganzes Leben dafür geübt und stieg in wenigen Minuten auf 1500 m GND. Nach einer Strecke von 86 km machte mir die Abschirmung aber Sorgen und ich wollte Schweighofen ganz weglassen und nur noch den nächsten Flugplatz anfliegen. XCSoar meinte auch, dass die Höhe reichen würde, aber ich sank als würde ich eine Gefriertruhe mit zwei Stummelflügeln fliegen. Was war denn da eigentlich los?! Schon die ganze Zeit!

Und dann traf mich der Geistesblitz und ich ärgerte mich schwarz: DAS FAHRWERK WAR DRAUSSEN! Schon die ganze Zeit! Ich stieg super, aber statt vorwärts zu fliegen, schwebte ich quasi in der Luft und sank einfach. Hätte nie gedacht, dass es so viel ausmacht. Der Gegenwind hat mir dann den Rest gegeben. Als ich nur noch 200 m GND hatte, musste ich mir eingestehen, dass kein Weg an einer Außenlandung vorbeiführt.

Um mal wieder meinen Artikel zum Thema „Segelfliegen ist Sport“ aufzugreifen: Außenlandungen sind noch härterer Sport. Mein Puls stieg und ich befand mich laut Fitness-Tracker die halbe Landung über im Kardio-Modus. Ich glaube, dass diese Körperreaktion überlebensnotwendig in solchen Situationen ist. Mein Puls war so hoch, dass ich in jedem Moment schnell und exakt reagieren konnte. Aber das Herz schlägt nicht zu schnell, sodass ich ohnmächtig oder wahnsinnig werde. Den Rest des Tages verbrachte ich dann vor lauter Aufregung weiterhin im Fettverbrennungsmodus.

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Fitbit Pulsaufzeichnung während der Außenlandung

Allerdings würde ich Außenlandungen nicht gerade als Sportart empfehlen. Es kann immer mal etwas schiefgehen, denn aus der Luft sind viele Hindernisse nicht erkennbar. Beispielsweise ein rostiges, getarntes Metallrohr. Spaß hat es auch nicht gemacht.

Außer vielleicht das Fotoshooting mit den drei Polizisten aus Germersheim, die unbedingt Fotos für Twitter machen wollten und jetzt alles übers Segelfliegen wissen. 😊

Polizei_Twitter

 

Meldung im Presseportal:
http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/117686/3662028

Kullerfrau beim Hahnweidewettbewerb 2017

Der Hahnweidewettbewerb findet jährlich auf dem Flugplatz Hahnweide bei Kirchheim unter Teck statt. Für mich war es eine tolle Erfahrung, als Anfängerin passiv an so einem Wettbewerb teilzunehmen. Ich habe viel gelernt, vor allem wie so ein Wettbewerb abläuft. Im Grid kann man sich ganz tolle Flugzeuge anschauen, die zusammen Millionen von Euro kosten. In der 18-m-Klasse dominieren einige Flugzeugtypen das Bild: ASG 29 von Schleicher und der Ventus 3 von Schempp-Hirth. Ich habe meinen Freund Frank mit seiner LS 10 begleitet und war damit eine „Kullerfrau“.

 

Vor ungefähr einem Jahr bei der Qualifikation für die deutschen Meisterschaften in Lachen-Speyerdorf (EDRL) traf ich das erste Mal auf eine Kullerfrau. Ich war dort zu Besuch, weil das mein Heimatflugplatz ist und weil ich meinen Freund Frank besuchen wollte, welcher zum Bodenpersonal gehörte. Die Kullerfrau erklärte mir ungefragt, laut und langsam sprechend (wie für geistig beeinträchtigte Menschen), was überhaupt ein Kuller ist und warum man sie Kullerfrau nennen würde. Ich habe sie irgendwie entgeistert und ein bisschen belustigt angeschaut und versucht, ihre Gedankengänge nachzuverfolgen: „Aha, hier läuft eine Frau auf einem Flugplatz rum. Die hat sicherlich keinerlei Ahnung von nichts. Der muss ich jetzt mal meine (un)wichtige Rolle hier erklären.“

Als ich mich etwas länger mit ihr unterhielt, musste ich zwangsläufig an einen Text aus einem alten Streckenflug-Lehrbuch denken:

Bild1

Es wird noch besser:

Bild2

Ich kann gar nicht sagen, auf wie vielen Ebenen mich dieser Text verstört. Ich bin doch nicht die Dienstleisterin meines Freundes. Und eigentlich bin ich sehr froh, dass noch andere Frauen auf dem Hahnweidewettbewerb anwesend waren. Was will mir der Autor hier eigentlich unterstellen?! Tut mir wirklich leid für ihn, dass er so ein Frauenbild hat. Nachdem ich jetzt selbst Rückholerin auf einem Segelflugwettbewerb war, bin ich froh, dass ich eine bessere Antwort auf die Frage nach dem idealen Team eines Wettbewerbpiloten (oder einer Pilotin) gefunden habe:

Lieber Autor dieses Buches, liebe Kullerfrauen,

als Rückholer/in auf einem Segelflugwettbewerb ist man erst einmal ein vollständiges Crew-Mitglied. Es ist wichtig für die Motivation aller Beteiligten, dass die Crew vollständig in das Wettbewerbsgeschehen eingebunden wird. Dazu gehört, dass der/die Rückholer/in an der täglichen Flugvorbereitung, an den Briefings und an der Nachbereitung teilnimmt. Die neueste Technik ermöglicht es uns oftmals, den/die Piloten/in live zu tracken und mitzufiebern. Eine entspannte Atmosphäre im Team kann nicht allein durch die Geschlechterfrage gelöst werden („maximal eine Frau, sonst kommt es zum Zickenkrieg?“). Sogar die NASA hat herausgefunden, dass gemischte Astronautenteams aus 50 % Frauen und 50 % Männern besonders gut funktionieren. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass jedes Mannschaftsmitglied als gleichwertig angesehen und anerkannt wird. Wenn Kullerfrauen auf Dienstleistungen reduziert werden, kann es nicht funktionieren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Interesse vieler Rückholerinnen am Fliegen geweckt werden kann, indem man sie mehr in das Wettbewerbsgeschehen einbindet, statt sie als minderwertiges Mitglied zu behandeln. Ich hatte jedenfalls eine sehr lehrreiche Woche und viel Spaß am Wettbewerbsgeschehen. Ich freue mich jetzt schon auf meine eigenen ersten Wettbewerbserfahrungen.

Im Endeffekt hat es für meinen Freund Frank leider nicht für die Top-Platzierungen gereicht. Seine Mückenputzer waren kaputt und seine Motivation hat am Ende der Flugtage dadurch etwas nachgelassen. Aber als gutes Crew-Mitglied (mit einem Verständnis der Aerodynamik) habe ich selbstverständlich jeden Tag die Flächen poliert und versucht, ihn aufzubauen. Dasselbe erwarte ich in Zukunft aber auch von ihm.

 

VDI-Nachrichten – Pilotinnen ist nichts verboten

Blog_VDI

Ist die Bezeichnung „Sport“ fürs Segelfliegen gerechtfertigt?

Die letzten Monate war es still um meinen Blog… und um mich. Sehr still. Ich habe jede Minute mit Hirntätigkeit dazu genutzt, um an meiner Dissertation zu schreiben. In den hirntoten Momenten – also beim Entspannen – musste ich mich aber ablenken. Das funktioniert für mich am besten beim Rumzappen zwischen Sixx, N24 und n-tv… Zwischen dem Hundeprofi Cesar Millan und UFO-Reportagen also.

Dabei ist mir eines früher nicht aufgefallen, was mich in den letzten Monaten aber umso mehr schockiert hat: Auf dem „Frauensender“ Sixx drehen sich gefühlt 90 % aller Werbungen ums Abnehmen. Sophia Thiel hier, Weight Watchers da und dann noch andere komische Gestalten, deren Namen in meinem Leben so unglaublich unwichtig sind. Jeder hat die beste Abnehmstrategie, jeder verspricht Erfolge ohne Hungern. Die Welt ist besessen vom Gewicht und dem Aussehen von Frauen!

Ich habe mich daraufhin gefragt, ob Segelfliegen gerechtfertigterweise als „Sport“ bezeichnet wird oder ob das so ein „Sport“ wie Schach oder Schießen wäre. Oder besser gesagt:

Kann man durchs Segelfliegen abnehmen?

Als Wissenschaftlerin wollte ich dieser Frage mal wissenschaftlicher nachgehen als Weight Watchers verspricht. Für meine Untersuchung habe ich einen Fitness-Tracker verwendet, der meine Herzfrequenz, meine Schrittanzahl, meine zurückgelegte Strecke und die verbrauchten Kilokalorien am Tag misst. Ich habe einen Tag am Flugplatz mit einem 45-minütigen Lauf sowie einem normalen Bürotag verglichen, an dem ich keinen Sport gemacht habe. Das Ergebnis hat mich selbst überrascht.

Ich habe beispielsweise an nur einem Flugplatz-Sonntag mehr Schritte zurückgelegt als an einem Tag mit 45-minütigem Lauf! Und vor allem habe ich mehr als doppelt so viele Schritte zurückgelegt als an einem langweiligen Bürotag.

Schritte

Auch die zurückgelegte Distanz lässt sich sehen: mehr als doppelt so viele Kilometer habe ich an einem Flugtag zurückgelegt, verglichen mit einem Bürotag. Ein Tag auf dem Flugplatz entspricht also fast einem Abend richtig laufen.

Distanz

Aber die verbrauchte Energie am Tag hat mich am meisten überzeugt. Ich habe fast 500 kcal mehr verbraucht als an einem normalen Werktag! Das sind um die 200 Gramm Pizza, die man sich ohne schlechtes Gewissen abends noch reinziehen und genießen kann.

kcal

Das Ergebnis ist eindeutig:

Segelflugsport ist SPORT!

Vielleicht sollte Sixx da mal eine Werbung machen…?!


Kurze Entschärfung, bevor ich das veröffentliche: Das ist natürlich keine wissenschaftliche Studie! Ich war mein eigenes und vor allem mein einziges Versuchskaninchen und habe nur je einen Tag verglichen. Sicherlich würden die Ergebnisse bei anderen Menschen und an anderen Tagen anders aussehen.

Und nein, ich unterstütze keinen Magerwahn! Ich gehöre aber auch nicht der Fraktion an, die Models die Schuld in die Schuhe schieben möchte. Generell haben wir ein gesellschaftliches Problem. Wir reduzieren Frauen zu häufig auf ihr Aussehen, was zu ungesunden Diäten führt, statt zu Spaß auf deutschen Flugplätzen. Schade eigentlich…

Ist die Förderung von Frauen männerfeindlich?

Auf der Suche nach Ideen für meinen Blog in der langen Winterpause bin ich letztens auf einen Feminismus-kritischen (meiner Meinung nach frauenfeindlichen) Blog gestoßen. Dort wird geschrieben, dass Feminismus die Botschaft vermittele, Männer seien böse. Feministinnen hätten durchweg ein negatives Männerbild aufgrund unbefriedigter sexueller Bedürfnisse und es gäbe ja keine Probleme mehr, da wir inzwischen gleichberechtigt sind. Deswegen würden die heutigen Feministinnen männerfeindlich agieren und es gäbe inzwischen eine Reihe von Gesetzen, die Frauen bevorzugen. Dazu zähle die Förderung von Frauen.

Angeblich ist der Blog von einer Frau geschrieben und ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht eine falsche, egoistische Sichtweise entwickelt habe und Frauenförderung (auch im Luftsport) vielleicht wirklich männerfeindlich ist? Meine Schlussfolgerung nach etlichen Pro-/Kontra-Gedanken und Erinnerungen an meine Studienzeit: Nein! Frauenförderung ist nicht männerfeindlich! Vielmehr ist Antifeminismus frauenfeindlich. Und obwohl ich das denke, habe ich durchweg ein positives Männerbild. Wäre auch schlimm, wenn das nicht so wäre, schließlich bin ich momentan die einzige Frau auf der Arbeit. Normal fällt mir das gar nicht auf.

Dazu aber ein kleines Gedankenspiel: Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleichberechtigt! Laut diesem antifeministischen Blog gibt es daher in diesem Bereich keine Probleme mehr in Deutschland! Wenn also Mord verboten ist, gibt es auch keine Morde mehr in Deutschland?

Leider ändert das Gesetz nicht unsere Denkweise! In den Köpfen vieler Menschen sind Frauen wirklich weniger wert als Männer! Dieser Gedanke dringt sogar bis ins europäische Parlament!!!

Man kann sagen, dass dieser Mann selten dämlich ist und eine Ausnahme in dem Parlament. Selten dämlich ist er allerdings nur, weil er seine Meinung so öffentlich preisgibt. In vielen Männern schlummert diese Frauenfeindlichkeit versteckt, aber sie sind schlau genug, ihre Meinung nicht öffentlich zu vertreten. Vielmehr diskriminieren sie Frauen in ihrem möglichen rechtlichen Rahmen versteckt.

Hier ein Beispiel von meiner Facebook-Pinnwand. Ich habe mich unendlich gefreut, dass es sechs Frauen in Deutschland gibt, die theoretisch fähig sind, Astronautinnen zu werden und meine Freude habe ich durch einen Post ausgedrückt:

2017-03-05

Herr U.S., ein Segelflugpilot, den ich persönlich kenne, hat bei Frauen und Raumfahrt direkt die Assoziation mit Flugbegleiterinnen. Nun, diese sechs Frauen sind hochqualifiziert, einige von ihnen promovierte Ingenieurinnen. Aber auch der Beruf der Flugbegleiterin scheint in seinem Kopf etwas „Minderwertiges“ zu sein, warum eigentlich?! Nachdem ich erst dachte, das wäre ein Scherz, hat er allerdings gar nicht mehr aufhören können, mir meine Freude über die erste deutsche Astronautin zu rauben. Übrigens… wenn man den Link anklickt, sind die Füße der Damen nicht mehr abgeschnitten. Sind sie jetzt fähigere Astronauten in seinem Kopf?  Herr U.S. fliegt in einem Verein, der unter dem Austritt einiger Frauen leidet… Wundert mich eigentlich nicht. Da hätte ich auch keine Lust zu fliegen.

Es wird noch einige Generationen dauern, bis Frauen in unserer Gesellschaft nicht mehr als etwas Minderwertiges betrachtet werden. Bis dahin brauchen wir Frauenquoten, Frauenförderung und Frauenstipendien. (Über Frauenparkplätze kann man streiten… ich nutze sie nicht.) Und wir brauchen eine aktive Frauenförderung und Frauenbeauftragte im Flugsport, vor allem um junge Mädchen vor solchen Männern zu beschützen und ihnen die gleiche Förderung wie den Jungs zukommen zu lassen.

Geben manche Väter ihren Töchtern diese Botschaft weiter? Kein Wunder, dass Mädchen denken, Jungs seien schlauer!

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/jungs-maedchen-intelligenz-100.html

Einen sehr schönen Artikel, der zeigt, dass heutiger Frauenhass ein reales Phänomen ist, findet ihr hier:

http://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/dny/Frauenhass-aus-der-Tastatur/story/13863292

 

Make Segelfliegen great again!

Kennt ihr sie auch? Die Trumps der Flugplätze? Diejenigen, die mit ihrem Geschrei das Segelfliegen, den Flugplatz, die Flugzeuge und sogar das Wetter „great again“ machen möchten?

Torsten Beyer hat es in seinem Blog richtig formuliert: „Düsternis überall“ und „Immer weniger Segelflieger“. Neben der Tatsache, dass die Anzahl der Segelflieger in Deutschland sinkend ist, gibt es zudem immer mehr Bürokratie. (Keine alternativen, sondern richtige Fakten!)

Und es ist im Segelflug eigentlich wie in der Politik: In schwierigen Zeiten können besonders narzisstische Persönlichkeiten ganz besonders in Vereinen hervorstechen. Sie stehen dann am Start und kommentieren jeden falschen Schritt eines jeden Neulings und Flugschülers und auch der älteren Kollegen, die eigentlich nichts falsch gemacht haben. Da wird falsch Leppo gefahren, hier wird falsch Startkladde geschrieben, dort werden falsche Rechnungen geschrieben und sowieso macht nie jemand jemals etwas richtig. Selbst fliegen sie eigentlich selten, diese Trumps. They’re not even real pilots! Fake pilots! 

Meine Meinung: Total desaster! It’s true!

Die Pilotrumps vergessen dabei eins: Segelfliegen ist ein Hobby! Zumindest für die meisten von uns. Hobbys sind dazu da, um Spaß zu haben, so als Ausgleich zum Berufsleben. Ich möchte mich an meinen Wochenenden entspannen und mich nicht ärgern, dass mich wieder ein Despot anschreit, ich solle doch mein Auto einen Millimeter weiter links parken, damit er besser ins Gebüsch urinieren kann.

Nun kann man auch niemanden aus dem Verein ausschließen, nur weil er unsympathisch ist oder sich mal daneben benimmt. Schließlich profitieren wir alle von unserer Vereinsdemokratie. Was man aber machen kann: Grab them by the Steuerknüppel! Meiner Meinung nach können viele wichtige Ämter in Vereinen wegrationalisiert werden. Wir handhaben es beispielsweise so: Es gibt eine größere Anzahl an vertrauenswürdigen Personen, die im Vereinsflieger Admin-Rechte haben. Sowieso sollte alles digitalisiert werden, um sich das Leben einfacher zu machen. Darüber hinaus sollte jeder Zugriff auf die digitale Startkladde und sonstige Informationen zu unserem Verein haben – die persönlichen Daten natürlich ausgeschlossen. Damit werden nicht nur vermeintlich wichtige Ämter wegrationalisiert, sondern auch Wichtigtuer, die der festen Überzeugung sind, der Verein würde ohne sie ins Verderben rutschen. Viele Unternehmen haben inzwischen auch erkannt, dass die strikten hierarchischen Strukturen nicht produktiver sind als die Verantwortung auf viele zu übertragen. Wie seht ihr das?

Ansonsten ein paar (alternative) Fakten zum Schluss:dj

frauensegelflug.blog is the best Blog ever – you’ll love it! It’s great! It’s true!

Folge meinen Blogbeiträgen, denn bei mir ist Segelfliegen first!