Leben nach dem Scheinerwerb?

Ich habe meine Prüfung zur Segelflugzeugführerin bestanden und bin jetzt offiziell Pilotin! 🙂 Am 14. August 2016 war es soweit, ich habe mich etwas mehr als 2 Jahre auf dieses Ziel vorbereitet und habe die Prüfung schließlich gemeistert.

Wie die Prüfung abgelaufen ist, könnt ihr –> hier nachlesen.

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So sieht ein erfolgreicher Bericht des Prüfers aus 😉

Ich wollte schon immer fliegen lernen. Und jetzt? Jetzt kann ich es ja offiziell…
Ich glaube, diesen Gedanken „Und was kommt jetzt?!“ haben viele Piloten plötzlich nach ihrer Prüfung. Es ist zwar toll, dass man fliegen kann, eventuell ein paar Freunde und Eltern auf einen Flug einlädt etc… Aber das eigentliche Ziel, welches man so lange hartnäckig verfolgt hat, ist plötzlich erreicht und damit auch weg. Es gibt sicherlich nur wenige, die zweckmäßig fliegen lernen und vorher genau wissen „Ich möchte fliegen lernen, um …!“ Und es gibt ganz sicher niemanden, der vorher sagt „Ich möchte fliegen lernen, um ab und zu an zwei schönen Tagen im Jahr ein paar Kreise über dem Flugplatz zu drehen und 20 Minuten später wieder zu landen!“

Wenn das also nicht der eigentliche Zweck des Segelflugscheins ist, warum fliegen so viele Piloten nach Scheinerwerb kaum noch und verfallen in eine Zombie-artige Flugplatzlethargie? Ich glaube nicht, dass das vorherige Ziel (Scheinerwerb) so kraftzehrend war, dass man sich kein neues setzen kann. Vielmehr fehlt es vielen Vereinen an Mentoren, die einem beibringen, was man mit dem Flugschein alles anstellen kann. Man ist auf sich allein gestellt und kann dann entweder Eigeninitiative zeigen oder eben nicht.

Die Option, mit dem Fliegen aufzuhören, kommt für mich erst mal überhaupt nicht infrage. Wenn ich mir allerdings kein neues Ziel setze, könnte es auf längere Sicht dazu führen. Also habe ich mir rechtzeitig Gedanken gemacht, was ich jetzt machen kann:

  • Streckenflug – will ich unbedingt machen (erst mal klein anfangen, 100 km, danach vielleicht mal ein 200-300 km FAI-Dreieck?), dafür muss ich aber erst mal besser werden
  • Wettbewerbe und Meisterschaften – erst mal nach erfolgreichem Streckenflug 😉 – das ist doch mal ein Ansporn! Man kann sich mit anderen messen, lernt bestimmt viele Gleichgesinnte kennen… wieso nicht mal ausprobieren?
  • Segelkunstflug – vor allem, um mal die Grenzen eines Segelflugzeugs (uns des eigenen Magens) auszutesten! Dafür brauche ich aber noch viele Starts und Landungen nach Scheinerwerb, das fällt also erst mal flach für die nächste Zeit
  • Lizenz für Motorsegler – für mehr Unabhängigkeit und größere Strecken bei schlechtem Wetter ist das doch der Hit!
  • Selbst Fluglehrerin werden? – mir fehlt dafür sicherlich die Geduld, aber viele andere finden es toll, jemandem etwas beizubringen und dabei immer in der Luft zu sein

Es kann also ein Leben nach Scheinerwerb geben… Man muss nicht den Kopf in den Windsack stecken und warten, dass der ehemalige Fluglehrer einem neue Ziele steckt… Vielen Piloten geht es ähnlich und unter Gleichgesinnten lassen sich viele Ideen und neue Ziele finden, die man gemeinsam angehen kann.

Mein erstes Ziel wird auf jeden Fall das Streckenfliegen und daher ernenne ich mich jetzt selbst zur Streckenflug- (und Frauen-) Beauftragten unseres Vereins. Ich hoffe, dass ich bald über einige Erfolge berichten kann. 🙂


 

4 Gedanken zu “Leben nach dem Scheinerwerb?

  1. Thomas Gerber schreibt:

    Hallo Jovana,
    auch von mir herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung. Die Kandidaten die bei uns (Akaflieg Frankfurt) am letzten Wochenende ihre Prüfung gemacht haben, hatten ihren Schein nach 3 Tagen.
    Du hast dir ja schon viele Gedanken gemacht wie es weiter gehen soll, da bleibt wenig zu sagen außer: Melde dich unbedingt mal für ein Fluglager in den Alpen an!

    Das Fliegen dort ist doch etwas anders als im Flachland, vielleicht klappt es ja sogar mit einem Wellenflug!

    Viele Grüße
    Thomas

    Gefällt 1 Person

    • astronautin85 schreibt:

      Ich hatte meinen tatsächlich auch nach 3 Tagen und war ganz aus dem Häuschen! Konnte das Wochenende dann kaum abwarten 😉
      Danke für die Glückwünsche. Unser Verein hat sich auch schon für ein Fluglager in Agathazell für nächstes Jahr angemeldet. Bin gespannt auf die Alpen! 🙂

      Gefällt mir

  2. torstenbeyer schreibt:

    Hallo Jovana,
    erstmal: Glückwunsch zur bestandenen Prüfung. Das von Dir beschriebene Phänomen trifft übrigens jeden, nach dem Scheinerhalt. Die Fliegerei wird schlagartig ziellos. Hier sind die Vereine gefordert, ihre Mitglieder zu motivieren. Bei uns ist es z.B. so, dass wir eine recht erfolgreiche und emsige Überlandflugtruppe haben (Alter: ca. 16 – ca. 75) – die erzeugen schon eine gewissen Sogwirkung. Überlandfliegen kann dabei in mehreren Varianten daherkommen: Ligafliegen (erzeugt vielleicht die höchste Motivation, weil es allen offensteht), natürlich der OLC, die DMSt und zentrale Wettbewerbe – aber auch Fliegen in den Alpen oder Wandersegelflug wird bei uns von einigen Mitgliedern betrieben. Darüber berichten (auf der Webseite, im Newsletter) erzeugt sicher auch Neugier und Motivation. Last but not least – es gibt den „gelben Ausbildungsnachweis“ (schonmal gehört?) für die Zeit nach dem Schein. Mit verschiedenen Elementen für die Streckenflugausbildung. In Bezug auf Streckenflug sind manchmal auch lokale, kleine Wettbewerbe interessant. Bei uns in der Region gibt es zum Beispiel den Kappes Cup, ein Wettbewerb, in dem auch Lehrer-Schüler Teams und Anfänger gern gesehen sind. Wenn’s bei Euch sowas nicht gibt: meld Dich doch einfach beim Kappes Cup an….

    Darüber hinaus gibt’s bei uns eine langsam größer werdende Kunstflugtruppe (meist Segel, einige wenige auch Motor). Auch diese Truppe erzeugt eine gewisse Magnetwirkung.

    Der Umstieg auf den Rattel ist natürlich auch interessant – vor allem, wenn das Preisgefüge stimmt.

    Fazit: die Vereine müssen helfen, dieses „Zielloch“ zu überwinden.

    Gruß
    Torsten
    P.S.: so und jetzt geniess erstmal die „neue Freiheit“ für den Rest der Saison 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Mike schreibt:

    Moin, also ich finde diese Thematik generell sehr interessant und auch als einen wichtigen Bestandteil der nachhaltigen mitgliedsgewinnung in Vereinen. Nach lizenzerhalt fehlt einem häufig der Wegweiser in Richtung Streckenflug. Der Satz „geh doch mal auf Strecke“ ist genauso oft zu hören wie „um dieses Flugzeug fliegen zu dürfen brauchst du noch 20 Stunden nach lizenzerhalt.“
    Nun ist der Gedanke ja einfach getan, nach dem Motto flieg ich viel Strecke, hole ich viele Stunden und kann dann auf besseres Material Umschulen. Doch wer gibt einem das nötige Know-how mal mehr als 150 km zu fliegen? Wenn die eigene Motivation da ist, jedoch keinerlei Engagement des Vereins dahintersteht, bleibt nur noch lesen, lesen und selbst probieren. So hab ich es nun mehr oder weniger mit Erfolg auch gemacht und bin auf die geforderten Stunden für die kunstfluglizenz gekommen. Durch mehrere günstige Zufälle bin ich mittlerweile im nächsten Jahr für einen sehr günstigen kunstfluglehrgang eingeschrieben und denke das mir das im Segelflug langfristig eine Herausforderung bringt!

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