Ist die Förderung von Frauen männerfeindlich?

Auf der Suche nach Ideen für meinen Blog in der langen Winterpause bin ich letztens auf einen Feminismus-kritischen (meiner Meinung nach frauenfeindlichen) Blog gestoßen. Dort wird geschrieben, dass Feminismus die Botschaft vermittele, Männer seien böse. Feministinnen hätten durchweg ein negatives Männerbild aufgrund unbefriedigter sexueller Bedürfnisse und es gäbe ja keine Probleme mehr, da wir inzwischen gleichberechtigt sind. Deswegen würden die heutigen Feministinnen männerfeindlich agieren und es gäbe inzwischen eine Reihe von Gesetzen, die Frauen bevorzugen. Dazu zähle die Förderung von Frauen.

Angeblich ist der Blog von einer Frau geschrieben und ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht eine falsche, egoistische Sichtweise entwickelt habe und Frauenförderung (auch im Luftsport) vielleicht wirklich männerfeindlich ist? Meine Schlussfolgerung nach etlichen Pro-/Kontra-Gedanken und Erinnerungen an meine Studienzeit: Nein! Frauenförderung ist nicht männerfeindlich! Vielmehr ist Antifeminismus frauenfeindlich. Und obwohl ich das denke, habe ich durchweg ein positives Männerbild. Wäre auch schlimm, wenn das nicht so wäre, schließlich bin ich momentan die einzige Frau auf der Arbeit. Normal fällt mir das gar nicht auf.

Dazu aber ein kleines Gedankenspiel: Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleichberechtigt! Laut diesem antifeministischen Blog gibt es daher in diesem Bereich keine Probleme mehr in Deutschland! Wenn also Mord verboten ist, gibt es auch keine Morde mehr in Deutschland?

Leider ändert das Gesetz nicht unsere Denkweise! In den Köpfen vieler Menschen sind Frauen wirklich weniger wert als Männer! Dieser Gedanke dringt sogar bis ins europäische Parlament!!!

Man kann sagen, dass dieser Mann selten dämlich ist und eine Ausnahme in dem Parlament. Selten dämlich ist er allerdings nur, weil er seine Meinung so öffentlich preisgibt. In vielen Männern schlummert diese Frauenfeindlichkeit versteckt, aber sie sind schlau genug, ihre Meinung nicht öffentlich zu vertreten. Vielmehr diskriminieren sie Frauen in ihrem möglichen rechtlichen Rahmen versteckt.

Hier ein Beispiel von meiner Facebook-Pinnwand. Ich habe mich unendlich gefreut, dass es sechs Frauen in Deutschland gibt, die theoretisch fähig sind, Astronautinnen zu werden und meine Freude habe ich durch einen Post ausgedrückt:

2017-03-05

Herr U.S., ein Segelflugpilot, den ich persönlich kenne, hat bei Frauen und Raumfahrt direkt die Assoziation mit Flugbegleiterinnen. Nun, diese sechs Frauen sind hochqualifiziert, einige von ihnen promovierte Ingenieurinnen. Aber auch der Beruf der Flugbegleiterin scheint in seinem Kopf etwas „Minderwertiges“ zu sein, warum eigentlich?! Nachdem ich erst dachte, das wäre ein Scherz, hat er allerdings gar nicht mehr aufhören können, mir meine Freude über die erste deutsche Astronautin zu rauben. Übrigens… wenn man den Link anklickt, sind die Füße der Damen nicht mehr abgeschnitten. Sind sie jetzt fähigere Astronauten in seinem Kopf?  Herr U.S. fliegt in einem Verein, der unter dem Austritt einiger Frauen leidet… Wundert mich eigentlich nicht. Da hätte ich auch keine Lust zu fliegen.

Es wird noch einige Generationen dauern, bis Frauen in unserer Gesellschaft nicht mehr als etwas Minderwertiges betrachtet werden. Bis dahin brauchen wir Frauenquoten, Frauenförderung und Frauenstipendien. (Über Frauenparkplätze kann man streiten… ich nutze sie nicht.) Und wir brauchen eine aktive Frauenförderung und Frauenbeauftragte im Flugsport, vor allem um junge Mädchen vor solchen Männern zu beschützen und ihnen die gleiche Förderung wie den Jungs zukommen zu lassen.

Geben manche Väter ihren Töchtern diese Botschaft weiter? Kein Wunder, dass Mädchen denken, Jungs seien schlauer!

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/jungs-maedchen-intelligenz-100.html

Einen sehr schönen Artikel, der zeigt, dass heutiger Frauenhass ein reales Phänomen ist, findet ihr hier:

http://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/dny/Frauenhass-aus-der-Tastatur/story/13863292

 

6 Gedanken zu “Ist die Förderung von Frauen männerfeindlich?

  1. Jorgen Korsgaard schreibt:

    Vielen Dank, Jovana, für diese Artikel. Ja, es gibt leider immer noch solche Männer wie oben. Die sind mit Garantie auch wie Sklaveneigentümer zu Hause gegenüber Frau und Töchter. Solche Typen verdienen kein respekt.
    Ich wünsche Dir viele gute Flüge so bald wie möglich.
    Thermals
    Jorgen

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    • pingpong schreibt:

      Ja, es gibt leider immer noch solche Männer […]

      Der generische Satzbaustein „immer noch“ im Zusammenhang mit Geschlechterthemen ist für mich mittlerweile ein guter Indikator dafür, ob es sich weiterzulesen lohnt oder nicht.
      „Frauen verdienen immer noch nicht gleich viel“
      „Männer machen immer noch ungestraft sexistische Witze“
      „Sie haben immer noch keine gleichen Rechte“
      „Es gibt immer noch solche Männer“
      „Frauen leisten immer noch viel mehr Erziehungsarbeit“
      usw. usf.
      Im Regelfall kann ich dann die Lektüre abbrechen, da kommt nicht mehr viel substanzielles.

      Und damit mein Beitrag sich nicht nur in Kritisieren erschöpft, möchte ich gerne genauer ausführen wie ich zu dieser Einschätzung komme. Am besten gleich anhand der oben zitierten Antwort von Jorge Korsgaard „Ja, es gibt leider immer noch solche Männer“.
      Das Problem der Formulierung „immer noch“ ist aus meiner Sicht
      1) es verschiebt den Fokus vom konkreten ins unbestimmte
      2) es impliziert einen illusorischen, nie erreichbaren Idealzustand.
      Damit ist die Formulierung kontraproduktiv, sie verhindert aktiv dass sich etwas zum besseren ändert, weil sie die Diskussion stört anstatt sie zu bereichern.

      Zu 1)
      Der Satz ohne „immer noch“ lautet:
      Ja, es gibt leider […] solche Männer…
      In meiner Wahrnehmung wird der Satz dadurch wesentlich konkreter, es ist eine Feststellung dass es solche Männer leider gibt. Ohne das „immer noch“ wird die Aussage auch in gewissem Sinne trivial, denn es gibt nunmal schlimme Dinge auf der Welt. Es gibt Korruption, Krieg, Hunger, Kinder die von Eltern misshandelt werden. Das ist sicherlich bedauerlich und jede Anstrengung solches zu vermeiden ist begrüßenswert. Die Feststellung alleine steht aber aus meiner Sicht etwas verloren da, und wenn danach nichts weiter kommt ist es larmoyant.
      Das eingeschobene „immer noch“ bringt eine zusätzliche Ebene ins Spiel und lenkt von der Trivialität ab. Durch das „immer noch“ geht es nicht mehr um den konkreten Sexisten, der seine Frau misshandelt, in den Fokus rückt jetzt die ganze „Gesellschaft“ (unbestimmt), die es immer noch nicht geschafft hat, so etwas (unbestimmt) zu verhindern.
      Und das führt zu 2), hinter dem „immer noch“ steht der gewünschte Idealzustand dass es nämlich solche Männer endlich nicht mehr gäbe. Ich denke, man kann einen solchen Idealzustand (und er ist ideal, keine Frage) durchaus als illusorisch bezeichnen. Hunderprozentige Sicherheit gibt es nicht, und im Kontext einer politischen und gesellschaftlichen Frage, die sich an der Realität orientieren muss, wäre es m.M.n. sinnvoll wenn man die Träumerei auf ein Minimum beschränkt. Korruption, Krieg, Hunger und sexistische Idioten gibt es, und es wird vermutlich nicht gelingen diese Dinge komplett abzuschaffen. Was man machen kann (und soll) sind Anstrengungen, um Korruption, Krieg, Hunger etc. so klein wie möglich zu halten, das ist ein sinnvolles Ziel. Die Phrase „immer noch“ verhindert solche Anstrengungen bzw. stört die Diskussion darum, weil das Ziel von vornherein nicht erfüllbar ist.

      In diesem Sinn, solange in Texten und Diskussionen über Geschlechterthemn immer noch die Formulierung „immer noch“ verwendet wird, bleibt noch viel zu tun! 🙂

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      • Jovana schreibt:

        Es gibt leider immer noch Leute, die ihren Aussagen mehr Nachdruck durch Fremdwörter verleihen möchten… 😉 Ich würde mal spontan behaupten, dass das „immer noch“ einfach eine Floskel ist. Aber es steht immer noch jedem frei, das so zu interpretieren, wie er es möchte. Meine Interpretation ist immer noch: Es gibt noch zu viele Männer von diesem alten Schlag, bzw. der alten Generation. Sie sind aufgewachsen, als Frauen immer noch nicht gleichberechtigt waren und beispielsweise immer noch kein eigenes Konto eröffnen durften. In 100 Jahren sind die Männer dieser Generation ausgestorben und es wird sie nicht mehr immer noch geben. Sexistische Witze werden vermutlich noch fortbestehen… immer noch oder bis die Menschheit sich vernichtet hat. Das hat sie ja immer noch nicht…

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      • pingpong schreibt:

        Es gibt leider immer noch Leute, die ihren Aussagen mehr Nachdruck durch Fremdwörter verleihen möchten…

        ???

        Ich würde mal spontan behaupten, dass das “immer noch” einfach eine Floskel ist. Aber es steht immer noch jedem frei, das so zu interpretieren, wie er es möchte.

        Die Geschlechterdiskussion ist emotionalisiert wie fast keine andere. Die Fronten sind festgefahren, die Verständigung ist unglaublich schwierig. Es gibt kaum ein anderes ähnlich sensibles Thema, eventuell die Migrations/Ausländerdiskussion. In einem solchen Kontext halte ich Floskeln, die jeder interpretieren kann wie er will, für kontraproduktiv.

        Sie sind aufgewachsen, als Frauen immer noch nicht gleichberechtigt waren und beispielsweise immer noch kein eigenes Konto eröffnen durften.

        Frauen und Männer sind auch heute nicht gleichberechtigt. Aber vielleicht in eine andere Richtung als vermutet.
        https://auschfrei.wordpress.com/rechte/
        Männer haben beispielsweise immer no kein Recht auf körperliche Unversehrtheit und dürfen genital verstümmelt werden, während das bei Frauen verboten ist.
        https://dejure.org/gesetze/BGB/1631d.html
        https://dejure.org/gesetze/StGB/226a.html

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