Außenlandung – der noch härtere Sport als Segelfliegen

Oje oje… wenn man sich die Bilder anschaut, denkt man, ich hätte nichts gelernt. Jeder Segelflieger würde sagen „braun vor grün!“. Warum lande ich also (nach meiner spektakulären Rhabarberlandung) diesmal in einem Weizenfeld (*Gerste!)?

Ganz einfach: Das bin ich gar nicht. Ich bin in dem braunen Kartoffelfeld daneben gelandet. Da lag allerdings ein dickes, rostiges Metallrohr (gleiche Farbe wie das Kartoffelfeld), welches dem Astir CS beim Ausrollen die Fahrwerksklappen gebrochen, das Flugzeug wieder in die Luft geschleudert und einige Meter nebendran ins Weizenfeld (*Gerste) versetzt hat.

IMG_20170616_143757

Astir CS im Gerstenfeld

Aber mal alles ganz von Anfang an:

Es war ein extrem vielversprechender Tag am 16. Juni 2017. Mein Freund Frank wollte 1000 km fliegen und ich ungefähr ein Zehntel davon. Außengelandet bin ich vor dem letzten Wendepunkt ungefähr an der schwarzen Markierung.

Aufgabe_Außenlandung

Anfängeraufgabe und Außenlandemarkierung

Am Anfang lief alles bestens! Der Westwind war zwar stark, machte mir aber in der Nähe des Flugplatzes noch keine großen Sorgen. Ich zentrierte die Thermik als hätte ich mein ganzes Leben dafür geübt und stieg in wenigen Minuten auf 1500 m GND. Nach einer Strecke von 86 km machte mir die Abschirmung aber Sorgen und ich wollte Schweighofen ganz weglassen und nur noch den nächsten Flugplatz anfliegen. XCSoar meinte auch, dass die Höhe reichen würde, aber ich sank als würde ich eine Gefriertruhe mit zwei Stummelflügeln fliegen. Was war denn da eigentlich los?! Schon die ganze Zeit!

Und dann traf mich der Geistesblitz und ich ärgerte mich schwarz: DAS FAHRWERK WAR DRAUSSEN! Schon die ganze Zeit! Ich stieg super, aber statt vorwärts zu fliegen, schwebte ich quasi in der Luft und sank einfach. Hätte nie gedacht, dass es so viel ausmacht. Der Gegenwind hat mir dann den Rest gegeben. Als ich nur noch 200 m GND hatte, musste ich mir eingestehen, dass kein Weg an einer Außenlandung vorbeiführt.

Um mal wieder meinen Artikel zum Thema „Segelfliegen ist Sport“ aufzugreifen: Außenlandungen sind noch härterer Sport. Mein Puls stieg und ich befand mich laut Fitness-Tracker die halbe Landung über im Kardio-Modus. Ich glaube, dass diese Körperreaktion überlebensnotwendig in solchen Situationen ist. Mein Puls war so hoch, dass ich in jedem Moment schnell und exakt reagieren konnte. Aber das Herz schlägt nicht zu schnell, sodass ich ohnmächtig oder wahnsinnig werde. Den Rest des Tages verbrachte ich dann vor lauter Aufregung weiterhin im Fettverbrennungsmodus.

Screenshot_20170616-201700

Fitbit Pulsaufzeichnung während der Außenlandung

Allerdings würde ich Außenlandungen nicht gerade als Sportart empfehlen. Es kann immer mal etwas schiefgehen, denn aus der Luft sind viele Hindernisse nicht erkennbar. Beispielsweise ein rostiges, getarntes Metallrohr. Spaß hat es auch nicht gemacht.

Außer vielleicht das Fotoshooting mit den drei Polizisten aus Germersheim, die unbedingt Fotos für Twitter machen wollten und jetzt alles übers Segelfliegen wissen. 😊

Polizei_Twitter

 

Meldung im Presseportal:
http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/117686/3662028

2 Gedanken zu “Außenlandung – der noch härtere Sport als Segelfliegen

    • Jovana schreibt:

      Aaaah, Gerste… ich bin so eine Banausin, was diese ganzen Gräser angeht 😀

      Klar darfst du das verwenden.
      Sollten deine Flugschüler allerdings auf die Idee kommen, den Theorieunterricht nach ihrem durchschnittlichen Puls zu bewerten (über 80 spannend; unter 40 schlimm), übernehme ich keine Verantwortung 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s