Fliegende Wikinger

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Während am 11. November dieses Jahres in Deutschland die Karnevalszeit gestartet ist, habe ich eine Einladung der Dänischen Segelfliegerunion dankend angenommen und als Anlass genutzt, um den Karnevalsjecken zu entfliehen.

Ich wurde bei der Ankunft nicht enttäuscht. In einem kleinen Örtchen namens Middelfart waren die Koryphäen der Segelfliegerwelt vertreten! Mein absolutes Highlight waren die Vorträge von Prof. Loek Boermans von der TU Delft, der sich mit der Forschung und Entwicklung von Laminarprofilen befasst, sowie von Uys Jonker – der Name sagt es schon – dem Inhaber von Jonker Sailplanes, der sicherlich eines der innovativsten Segelflugzeuge der Welt vorgestellt hat – die JS3.

Auf dem Konferenzprogramm stand auch mein Name und ich sollte einen Vortrag über fliegende Frauen und die Notwendigkeit von mehr Frauen in Segelflugvereinen halten – also im Groben meinen Blog vorstellen 😊

 Segelflugkonferenz

In Dänemark ist die Situation ähnlich wie bei uns in Deutschland. Auf der Konferenz waren einige wenige Frauen in den Reihen, die Mehrheit waren allerdings Männer. Meine größte Angst war, dass mein Vortrag als feministische Provokation aufgefasst wird und die dänischen Männer beschließen, in Zukunft gar keine Frauen mehr in ihren Vereinen aufzunehmen – aus Angst, dass so eine wie ich ihnen sexistische Witze verbieten möchte. Da habe ich wohl die dänischen Wikinger-Gene unterschätzt, denn das genaue Gegenteil ist auf dieser Konferenz passiert:

„Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.“ – Simone de Beauvoir

Und die Dänen – als Nachkommen der Wikinger – sind sich ihrer Männlichkeit sehr wohl sicher. Denn in Sachen Feminismus konnte ich sogar noch etwas von ihnen lernen. Ich musste feststellen, dass ich mir mein Leben lang männliche Verhaltensweisen angeeignet habe, um mich in der männerdominierten Welt zu etablieren und zurecht zu finden, beruflich wie privat. „Bloß keine weiblichen Züge zeigen!“ – „Bloß nicht als schwach gelten!“ – „Bloß nicht als Frau auffallen und sagen, dass ich Hilfe brauche!“

Jahrelang habe ich demonstrativ mein Blei selbst getragen, ohne dass ich auch nur Anstalten gemacht habe, jemanden um Hilfe zu bitten, der mir offensichtlich körperlich überlegen ist. So habe ich auch jahrelang im Maschinenbaustudium und auch während der Promotion vollkommen ignoriert, dass meine Herangehensweise an Probleme eine ganz andere ist als bei meinen männlichen Kollegen und meine Art der Kommunikation eine andere ist. Und dann komme ich nach Dänemark und muss feststellen, dass die Dänen längst erkannt haben, dass das so nicht sein muss.  

Das Fazit der Dänen kann man ungefähr so zusammenfassen: „Wir wissen, dass ihr Frauen nicht so seid wie wir und eure Herangehensweise ans Fliegen eine andere ist. Wir werten das nicht als besser oder schlechter, sondern einfach als anders. Da die Segelflugvereine allerdings von Männern geschaffen sind, sind sie für uns optimiert und nicht für euch. Wir möchten wissen, was wir ändern müssen, damit ihr euch in den Vereinen wohlfühlt und auch Streckenflug macht.“

WOW, ich bin jetzt 32 und habe so lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich meine Weiblichkeit nicht zwanghaft bekämpfen muss, um erfolgreich in der Welt zu sein. Denn meine Weiblichkeit ist nichts Negatives, wofür ich mich schämen muss, sie ist einfach genetisch bedingt. Ich bin dadurch nicht schlechter beim Fliegen und meine andere Herangehensweise an Probleme macht mich nicht zu einer schlechteren Ingenieurin. Vielmehr denke ich inzwischen, dass Männer und Frauen sich ideal beruflich und privat ergänzen. In dieser Hinsicht sind uns die Dänen, wie die meisten nordischen Völker, weit voraus. Diesen Stand der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen müssen wir in Deutschland erst noch erreichen.

Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich ein Teil der Segelflieger-Konferenz in Dänemark war und diese Sichtweise gelernt habe. Jetzt kann ich auch viel entspannter mit meinen „weiblichen Schwächen“ umgehen und habe mir fest vorgenommen, in der nächsten Saison die Männer beim Tragen von Blei um Hilfe zu bitten und nicht die Heldin zu spielen.

Ein großer Dank an die fliegenden Wikinger! Ihr seid auf dem richtigen Weg!

Vielen Dank auch an Jørgen Korsgaard für seine fortschrittliche und kluge Denkweise und die Einladung zu dieser tollen Veranstaltung. 🙂 

Kullerfrau beim Hahnweidewettbewerb 2017

Der Hahnweidewettbewerb findet jährlich auf dem Flugplatz Hahnweide bei Kirchheim unter Teck statt. Für mich war es eine tolle Erfahrung, als Anfängerin passiv an so einem Wettbewerb teilzunehmen. Ich habe viel gelernt, vor allem wie so ein Wettbewerb abläuft. Im Grid kann man sich ganz tolle Flugzeuge anschauen, die zusammen Millionen von Euro kosten. In der 18-m-Klasse dominieren einige Flugzeugtypen das Bild: ASG 29 von Schleicher und der Ventus 3 von Schempp-Hirth. Ich habe meinen Freund Frank mit seiner LS 10 begleitet und war damit eine „Kullerfrau“.

 

Vor ungefähr einem Jahr bei der Qualifikation für die deutschen Meisterschaften in Lachen-Speyerdorf (EDRL) traf ich das erste Mal auf eine Kullerfrau. Ich war dort zu Besuch, weil das mein Heimatflugplatz ist und weil ich meinen Freund Frank besuchen wollte, welcher zum Bodenpersonal gehörte. Die Kullerfrau erklärte mir ungefragt, laut und langsam sprechend (wie für geistig beeinträchtigte Menschen), was überhaupt ein Kuller ist und warum man sie Kullerfrau nennen würde. Ich habe sie irgendwie entgeistert und ein bisschen belustigt angeschaut und versucht, ihre Gedankengänge nachzuverfolgen: „Aha, hier läuft eine Frau auf einem Flugplatz rum. Die hat sicherlich keinerlei Ahnung von nichts. Der muss ich jetzt mal meine (un)wichtige Rolle hier erklären.“

Als ich mich etwas länger mit ihr unterhielt, musste ich zwangsläufig an einen Text aus einem alten Streckenflug-Lehrbuch denken:

Bild1

Es wird noch besser:

Bild2

Ich kann gar nicht sagen, auf wie vielen Ebenen mich dieser Text verstört. Ich bin doch nicht die Dienstleisterin meines Freundes. Und eigentlich bin ich sehr froh, dass noch andere Frauen auf dem Hahnweidewettbewerb anwesend waren. Was will mir der Autor hier eigentlich unterstellen?! Tut mir wirklich leid für ihn, dass er so ein Frauenbild hat. Nachdem ich jetzt selbst Rückholerin auf einem Segelflugwettbewerb war, bin ich froh, dass ich eine bessere Antwort auf die Frage nach dem idealen Team eines Wettbewerbpiloten (oder einer Pilotin) gefunden habe:

Lieber Autor dieses Buches, liebe Kullerfrauen,

als Rückholer/in auf einem Segelflugwettbewerb ist man erst einmal ein vollständiges Crew-Mitglied. Es ist wichtig für die Motivation aller Beteiligten, dass die Crew vollständig in das Wettbewerbsgeschehen eingebunden wird. Dazu gehört, dass der/die Rückholer/in an der täglichen Flugvorbereitung, an den Briefings und an der Nachbereitung teilnimmt. Die neueste Technik ermöglicht es uns oftmals, den/die Piloten/in live zu tracken und mitzufiebern. Eine entspannte Atmosphäre im Team kann nicht allein durch die Geschlechterfrage gelöst werden („maximal eine Frau, sonst kommt es zum Zickenkrieg?“). Sogar die NASA hat herausgefunden, dass gemischte Astronautenteams aus 50 % Frauen und 50 % Männern besonders gut funktionieren. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass jedes Mannschaftsmitglied als gleichwertig angesehen und anerkannt wird. Wenn Kullerfrauen auf Dienstleistungen reduziert werden, kann es nicht funktionieren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Interesse vieler Rückholerinnen am Fliegen geweckt werden kann, indem man sie mehr in das Wettbewerbsgeschehen einbindet, statt sie als minderwertiges Mitglied zu behandeln. Ich hatte jedenfalls eine sehr lehrreiche Woche und viel Spaß am Wettbewerbsgeschehen. Ich freue mich jetzt schon auf meine eigenen ersten Wettbewerbserfahrungen.

Im Endeffekt hat es für meinen Freund Frank leider nicht für die Top-Platzierungen gereicht. Seine Mückenputzer waren kaputt und seine Motivation hat am Ende der Flugtage dadurch etwas nachgelassen. Aber als gutes Crew-Mitglied (mit einem Verständnis der Aerodynamik) habe ich selbstverständlich jeden Tag die Flächen poliert und versucht, ihn aufzubauen. Dasselbe erwarte ich in Zukunft aber auch von ihm.

 

VDI-Nachrichten – Pilotinnen ist nichts verboten

Blog_VDI

Ist die Bezeichnung „Sport“ fürs Segelfliegen gerechtfertigt?

Die letzten Monate war es still um meinen Blog… und um mich. Sehr still. Ich habe jede Minute mit Hirntätigkeit dazu genutzt, um an meiner Dissertation zu schreiben. In den hirntoten Momenten – also beim Entspannen – musste ich mich aber ablenken. Das funktioniert für mich am besten beim Rumzappen zwischen Sixx, N24 und n-tv… Zwischen dem Hundeprofi Cesar Millan und UFO-Reportagen also.

Dabei ist mir eines früher nicht aufgefallen, was mich in den letzten Monaten aber umso mehr schockiert hat: Auf dem „Frauensender“ Sixx drehen sich gefühlt 90 % aller Werbungen ums Abnehmen. Sophia Thiel hier, Weight Watchers da und dann noch andere komische Gestalten, deren Namen in meinem Leben so unglaublich unwichtig sind. Jeder hat die beste Abnehmstrategie, jeder verspricht Erfolge ohne Hungern. Die Welt ist besessen vom Gewicht und dem Aussehen von Frauen!

Ich habe mich daraufhin gefragt, ob Segelfliegen gerechtfertigterweise als „Sport“ bezeichnet wird oder ob das so ein „Sport“ wie Schach oder Schießen wäre. Oder besser gesagt:

Kann man durchs Segelfliegen abnehmen?

Als Wissenschaftlerin wollte ich dieser Frage mal wissenschaftlicher nachgehen als Weight Watchers verspricht. Für meine Untersuchung habe ich einen Fitness-Tracker verwendet, der meine Herzfrequenz, meine Schrittanzahl, meine zurückgelegte Strecke und die verbrauchten Kilokalorien am Tag misst. Ich habe einen Tag am Flugplatz mit einem 45-minütigen Lauf sowie einem normalen Bürotag verglichen, an dem ich keinen Sport gemacht habe. Das Ergebnis hat mich selbst überrascht.

Ich habe beispielsweise an nur einem Flugplatz-Sonntag mehr Schritte zurückgelegt als an einem Tag mit 45-minütigem Lauf! Und vor allem habe ich mehr als doppelt so viele Schritte zurückgelegt als an einem langweiligen Bürotag.

Schritte

Auch die zurückgelegte Distanz lässt sich sehen: mehr als doppelt so viele Kilometer habe ich an einem Flugtag zurückgelegt, verglichen mit einem Bürotag. Ein Tag auf dem Flugplatz entspricht also fast einem Abend richtig laufen.

Distanz

Aber die verbrauchte Energie am Tag hat mich am meisten überzeugt. Ich habe fast 500 kcal mehr verbraucht als an einem normalen Werktag! Das sind um die 200 Gramm Pizza, die man sich ohne schlechtes Gewissen abends noch reinziehen und genießen kann.

kcal

Das Ergebnis ist eindeutig:

Segelflugsport ist SPORT!

Vielleicht sollte Sixx da mal eine Werbung machen…?!


Kurze Entschärfung, bevor ich das veröffentliche: Das ist natürlich keine wissenschaftliche Studie! Ich war mein eigenes und vor allem mein einziges Versuchskaninchen und habe nur je einen Tag verglichen. Sicherlich würden die Ergebnisse bei anderen Menschen und an anderen Tagen anders aussehen.

Und nein, ich unterstütze keinen Magerwahn! Ich gehöre aber auch nicht der Fraktion an, die Models die Schuld in die Schuhe schieben möchte. Generell haben wir ein gesellschaftliches Problem. Wir reduzieren Frauen zu häufig auf ihr Aussehen, was zu ungesunden Diäten führt, statt zu Spaß auf deutschen Flugplätzen. Schade eigentlich…

Ist die Förderung von Frauen männerfeindlich?

Auf der Suche nach Ideen für meinen Blog in der langen Winterpause bin ich letztens auf einen Feminismus-kritischen (meiner Meinung nach frauenfeindlichen) Blog gestoßen. Dort wird geschrieben, dass Feminismus die Botschaft vermittele, Männer seien böse. Feministinnen hätten durchweg ein negatives Männerbild aufgrund unbefriedigter sexueller Bedürfnisse und es gäbe ja keine Probleme mehr, da wir inzwischen gleichberechtigt sind. Deswegen würden die heutigen Feministinnen männerfeindlich agieren und es gäbe inzwischen eine Reihe von Gesetzen, die Frauen bevorzugen. Dazu zähle die Förderung von Frauen.

Angeblich ist der Blog von einer Frau geschrieben und ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht eine falsche, egoistische Sichtweise entwickelt habe und Frauenförderung (auch im Luftsport) vielleicht wirklich männerfeindlich ist? Meine Schlussfolgerung nach etlichen Pro-/Kontra-Gedanken und Erinnerungen an meine Studienzeit: Nein! Frauenförderung ist nicht männerfeindlich! Vielmehr ist Antifeminismus frauenfeindlich. Und obwohl ich das denke, habe ich durchweg ein positives Männerbild. Wäre auch schlimm, wenn das nicht so wäre, schließlich bin ich momentan die einzige Frau auf der Arbeit. Normal fällt mir das gar nicht auf.

Dazu aber ein kleines Gedankenspiel: Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleichberechtigt! Laut diesem antifeministischen Blog gibt es daher in diesem Bereich keine Probleme mehr in Deutschland! Wenn also Mord verboten ist, gibt es auch keine Morde mehr in Deutschland?

Leider ändert das Gesetz nicht unsere Denkweise! In den Köpfen vieler Menschen sind Frauen wirklich weniger wert als Männer! Dieser Gedanke dringt sogar bis ins europäische Parlament!!!

Man kann sagen, dass dieser Mann selten dämlich ist und eine Ausnahme in dem Parlament. Selten dämlich ist er allerdings nur, weil er seine Meinung so öffentlich preisgibt. In vielen Männern schlummert diese Frauenfeindlichkeit versteckt, aber sie sind schlau genug, ihre Meinung nicht öffentlich zu vertreten. Vielmehr diskriminieren sie Frauen in ihrem möglichen rechtlichen Rahmen versteckt.

Hier ein Beispiel von meiner Facebook-Pinnwand. Ich habe mich unendlich gefreut, dass es sechs Frauen in Deutschland gibt, die theoretisch fähig sind, Astronautinnen zu werden und meine Freude habe ich durch einen Post ausgedrückt:

2017-03-05

Herr U.S., ein Segelflugpilot, den ich persönlich kenne, hat bei Frauen und Raumfahrt direkt die Assoziation mit Flugbegleiterinnen. Nun, diese sechs Frauen sind hochqualifiziert, einige von ihnen promovierte Ingenieurinnen. Aber auch der Beruf der Flugbegleiterin scheint in seinem Kopf etwas „Minderwertiges“ zu sein, warum eigentlich?! Nachdem ich erst dachte, das wäre ein Scherz, hat er allerdings gar nicht mehr aufhören können, mir meine Freude über die erste deutsche Astronautin zu rauben. Übrigens… wenn man den Link anklickt, sind die Füße der Damen nicht mehr abgeschnitten. Sind sie jetzt fähigere Astronauten in seinem Kopf?  Herr U.S. fliegt in einem Verein, der unter dem Austritt einiger Frauen leidet… Wundert mich eigentlich nicht. Da hätte ich auch keine Lust zu fliegen.

Es wird noch einige Generationen dauern, bis Frauen in unserer Gesellschaft nicht mehr als etwas Minderwertiges betrachtet werden. Bis dahin brauchen wir Frauenquoten, Frauenförderung und Frauenstipendien. (Über Frauenparkplätze kann man streiten… ich nutze sie nicht.) Und wir brauchen eine aktive Frauenförderung und Frauenbeauftragte im Flugsport, vor allem um junge Mädchen vor solchen Männern zu beschützen und ihnen die gleiche Förderung wie den Jungs zukommen zu lassen.

Geben manche Väter ihren Töchtern diese Botschaft weiter? Kein Wunder, dass Mädchen denken, Jungs seien schlauer!

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/jungs-maedchen-intelligenz-100.html

Einen sehr schönen Artikel, der zeigt, dass heutiger Frauenhass ein reales Phänomen ist, findet ihr hier:

http://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/dny/Frauenhass-aus-der-Tastatur/story/13863292

 

Make Segelfliegen great again!

Kennt ihr sie auch? Die Trumps der Flugplätze? Diejenigen, die mit ihrem Geschrei das Segelfliegen, den Flugplatz, die Flugzeuge und sogar das Wetter „great again“ machen möchten?

Torsten Beyer hat es in seinem Blog richtig formuliert: „Düsternis überall“ und „Immer weniger Segelflieger“. Neben der Tatsache, dass die Anzahl der Segelflieger in Deutschland sinkend ist, gibt es zudem immer mehr Bürokratie. (Keine alternativen, sondern richtige Fakten!)

Und es ist im Segelflug eigentlich wie in der Politik: In schwierigen Zeiten können besonders narzisstische Persönlichkeiten ganz besonders in Vereinen hervorstechen. Sie stehen dann am Start und kommentieren jeden falschen Schritt eines jeden Neulings und Flugschülers und auch der älteren Kollegen, die eigentlich nichts falsch gemacht haben. Da wird falsch Leppo gefahren, hier wird falsch Startkladde geschrieben, dort werden falsche Rechnungen geschrieben und sowieso macht nie jemand jemals etwas richtig. Selbst fliegen sie eigentlich selten, diese Trumps. They’re not even real pilots! Fake pilots! 

Meine Meinung: Total desaster! It’s true!

Die Pilotrumps vergessen dabei eins: Segelfliegen ist ein Hobby! Zumindest für die meisten von uns. Hobbys sind dazu da, um Spaß zu haben, so als Ausgleich zum Berufsleben. Ich möchte mich an meinen Wochenenden entspannen und mich nicht ärgern, dass mich wieder ein Despot anschreit, ich solle doch mein Auto einen Millimeter weiter links parken, damit er besser ins Gebüsch urinieren kann.

Nun kann man auch niemanden aus dem Verein ausschließen, nur weil er unsympathisch ist oder sich mal daneben benimmt. Schließlich profitieren wir alle von unserer Vereinsdemokratie. Was man aber machen kann: Grab them by the Steuerknüppel! Meiner Meinung nach können viele wichtige Ämter in Vereinen wegrationalisiert werden. Wir handhaben es beispielsweise so: Es gibt eine größere Anzahl an vertrauenswürdigen Personen, die im Vereinsflieger Admin-Rechte haben. Sowieso sollte alles digitalisiert werden, um sich das Leben einfacher zu machen. Darüber hinaus sollte jeder Zugriff auf die digitale Startkladde und sonstige Informationen zu unserem Verein haben – die persönlichen Daten natürlich ausgeschlossen. Damit werden nicht nur vermeintlich wichtige Ämter wegrationalisiert, sondern auch Wichtigtuer, die der festen Überzeugung sind, der Verein würde ohne sie ins Verderben rutschen. Viele Unternehmen haben inzwischen auch erkannt, dass die strikten hierarchischen Strukturen nicht produktiver sind als die Verantwortung auf viele zu übertragen. Wie seht ihr das?

Ansonsten ein paar (alternative) Fakten zum Schluss:dj

frauensegelflug.blog is the best Blog ever – you’ll love it! It’s great! It’s true!

Folge meinen Blogbeiträgen, denn bei mir ist Segelfliegen first!

43. Hexentreffen in Kaub am Rhein

Kaub am Rhein gehört der Verbandsgemeinde Loreley an. Ein sehr passender Ort für ein Hexentreffen, finde ich. Schließlich hat die Loreley, die eine Zauberin oder Nixe ist, mit ihrem blonden Haar so manche Seefahrer verhext und so manche Schiffe zum Kentern gebracht. Ich frage mich, ob auch schon Segelflugpiloten von ihr abgelenkt wurden…

Ich fand den Ort anfangs auch sehr praktisch, da meine Mutter fast genau gegenüber in Oberwesel wohnt. Als langjährige Mosel-Bewohnerin dachte ich, es gäbe auch am Rhein alle 5 Meter eine Brücke über den Fluss und ich könnte nachts nach der Weinprobe sicherlich nach Hause laufen. Naja… als ich ankam, wurde ich von der Realität eingeholt. Zwischen Mainz und Koblenz gab es keine einzige Brücke und Kaub war unerreichbar für mich von der falschen Seite…. Es war zwar eisig kalt, aber nicht so sehr, dass der Rhein zugefroren war. Ich musste auf den nächsten Tag und auf die Fähre warten und verpasste leider die Weinprobe.  😦

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Kaub – irgendwie auf der falschen Seite des Rheins. Ja, das war ein bisschen blöd 🙂

Das diesjährige Hexentreffen verpasste ich nicht. Es war das 43. (!!) Treffen von Segelflugpilotinnen (mein erstes Treffen!) und hatte eine rekordverdächtige Anzahl an Teilnehmerinnen von über 120! Dass es überhaupt so viele Pilotinnen in Deutschland gibt, freut mich sehr. Sabine Theis, Segelfliegerin, Mutter, Vorsitzende des Bundesausschusses für Frauen und Familien im DAeC und Frauenbeauftragte des Rheinlandpfälzischen Luftsportverbandes hat sich im Auftakt mit dem Wort „Hexe“ beschäftigt und mit dem Grund, warum unsere Segelfliegerinnen-Treffen als Hexentreffen bezeichnet werden. Sie sagt: „Hexen waren im Mittelalter Frauen, teilweise auch Männer, mit ungewöhnlichen Ansichten und fremdartigem Verhalten, schlecht angesehen, von Männern oder der Kirche verfolgt, gefoltert, verbrannt. Hässliche Gestalten mit Runzeln und Warzen, zwielichtig, mit dem Teufel im Bunde, flogen sie durch die Lüfte und verzauberten rechtschaffene Bürger.“

Nicht sonderlich schmeichelhaft für uns Segelfliegerinnen. Ein Auszug aus der Beschreibung der Geschlechterrolle der Frau aus Wikipedia bringt allerdings etwas mehr Klarheit: Die Frau wird als „abhängig, subjektiv, passiv, nicht wettbewerbsorientert, nicht abenteuerlustig, nicht selbstbewusst, nicht ehrgeizig, des Weiteren als taktvoll, friedlich und gefühlsbetont“ beschrieben.

Demnach müssten wir Frauen uns im Segelflug – laut der Beschreibung – in den Rollen der Kinderbetreuung, beim Verkauf von Kuchen, dem Catering und als nettes Beiwerk wiederfinden. Die Realität sieht zum Glück ganz anders aus! Wir Segelfliegerinnen entsprechen so gar nicht dem, was von uns erwartet wird und finden uns zum Glück auch nicht in den Geschlechterstereotypen wieder. Im Mittelalter wären wir sicherlich alle verbrannt worden!

Ein Vortrag auf dem Hexentreffen hat es mir besonders angetan: der Vortrag von Ingrid Blecher, der „Mutter aller Hexentreffen“ laut Sabine. Ingrid ist für mich eine Pionierin, sie hat uns Frauen allen den Weg geebnet für den Flugsport, indem sie für uns den Geschlechterkampf kämpfte. Sie hatte in ihrer ganzen Laufbahn immer wieder Probleme mit „den Älteren“ in den Vereinen, die Frauen nur hinter dem Herd kannten. Beispielsweise wollte man sie als Mädchen nicht beim Bezirksvergleichsfliegen mitlosen lassen. Den Verein durfte sie damals auch nur wechseln, weil sie bereits verheiratet war und daher keine Gefahr für die anderen Segelflieger darstellte. Nachdem sie sich freigeflogen hatte, traute man sich nicht, ihr den Hintern zu versohlen, sondern schmierte ihr Gesicht mit Schuhcreme ein u.s.w… Ihre vollständige Rede mit vielen historischen Daten und einigen Bildern findet ihr hier.

Übersicht über die Vorträge:

  • Ingrid Blecher, die „Mutter aller Hexentreffen“ über die Geschichte der Hexentreffen.
  • Carolin Rothhard über das Segelfliegen in der Elternzeit.
  • Ein sehr schöner Vortrag von 7 Mainzerinnen, die mit 3 Flugzeugen in den Norden an die Küste flogen und mit 2 Flugzeugen zurückkamen.
  • Monika Herr – Boeing 747-Kapitänin bei der Lufthansa mit großen Herausforderungen und Umwegen bei der Verwirklichung ihres Traums.
  • Rekordfliegerin Margherita Acquaderni von Fly Pink Italy ist die Präsidentin des Aero Club Adele Orsi und hat über die Geschichte des Frauensegelflugs in Italien berichtet.
  • Sogar ein Mann durfte hier was sagen und zwar über das Wetter: Meteorologe Bernd Fischer – ja, die Klimaerwärmung ist real! Das hat er uns gezeigt.

Chronik aller Hexentreffen bisher

 

Frauen pinkeln auch beim Segelfliegen

Sommer 2016. Ich stehe in Frankreich abgeschottet in einem Waldstück direkt neben der Landstraße. Wir sind auf dem Weg zum Fluglager nach St. Quentin. Vor mir ist eine Koppel. Ein Pferd starrt mich von weitem entsetzt an. Sicher denkt es: „Da ist eine Frau, die im Stehen pinkeln will! Ganz bestimmt heißt die Alice Schwarzer!“ Es kann ja nicht ahnen, dass ich das nicht wegen der Emanzipation mache, sondern weil ich mit meinem neuen Urinableiter üben möchte, bevor ich ihn beim Fliegen verwende. Also stehe ich da und starre zurück. Und es kommt nichts. Ich denke mir innerlich: ENTSPANNEN! Entspann dich endlich…! Es funktioniert nicht. Es ist vollkommen unnatürlich, dabei zu stehen und ich fühle mich auch etwas beobachtet. Ich hypnotisiere mich fast in vollkommene Entspannung, um meine Blase um ein paar Tropfen zu erleichtern. Es reicht nicht, sich als Frau einfach eine Bordtoilette zu kaufen. Man muss das üben. In allen unmöglichen Situationen, sodass es auch in einer Stresssituation funktioniert. Z. B. wenn man von einem Pferd beobachtet wird… Erst wenn das funktioniert, kann man relativ sicher sein, dass es auch im Flug klappt.

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, dass ich angefangen habe, mich mit Bordtoiletten für Frauen zu beschäftigen. Ich übe zu Hause, auf der Toilette, auf der Arbeit und auf der Couch mit entsprechender Unterlage. Manchmal läuft es schief, aber meistens „läuft“ es gut. Ich habe noch lange nicht alle Bordtoiletten ausprobiert, die es für Segelfliegerinnen gibt. Besonders die Methode von Katrin Senne klingt vielversprechend. Die probiere ich als nächstes.

Mein bisheriger Favorit, der wirklich ganz gut funktioniert: Der Whiz Freedom*

Aber es gibt auch Alternativen dazu, die ich in meinem neuen Bericht detaillierter beschreibe mit vielen Tipps drumherum: → Pinkeln beim Segelfliegen für Frauen

bordtoilette

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