Girls‘ Day im Haus der Luftsportjugend

Am 26. April war Girls‘ and Boys‘ Day. Junge Mädchen sollen an diesem Tag die Gelegenheit bekommen, in typische Männerberufe reinzuschnuppern (z.B. Piloten, Fluglotsen, Ingenieure etc.), während Jungs sich überwiegend Berufe anschauen können, in denen Männer unterrepräsentiert sind (soziale Berufe, Pflege, Erzieher etc.).

Da ich selbst Ingenieurin bin und anscheinend für Frauen untypische Interessen habe (Fliegen, Raumfahrt, 3D-Druck …) wurde ich zum Girls‘ Day vom Haus der Luftsportjugend in Laucha an der Unstrut eingeladen, um einen Vortrag zu halten und fünf junge Mädchen für das Hobby Segelfliegen und vielleicht sogar für Berufe zu begeistern, die etwas mit Luftfahrt zu tun haben. Nachdem sie sich meinen Vortrag anhören mussten, gefolgt von einem Vortrag einer Fluglotsin in Langen, durften die Mädels also auch endlich fliegen. 🙂

 

Ob die Mädchen danach wirklich begeistert waren und einen Beruf in der Luftfahrt anstreben werden, wird sich sicherlich erst in einigen Jahren zeigen. Wichtig ist, dass man ihnen diese Möglichkeit bietet. Für mich war der Besuch in Laucha großartig, weswegen ich nicht anders kann, als ein bisschen Werbung zu machen.

Schon allein die Autofahrt bis Laucha an diversen Naturschutzgebieten Sachsen-Anhalts vorbei ist wie eine meditative Yoga-Stunde nach einem stressigen Arbeitstag. Vor allem wenn man vorher an Frankfurt vorbeimuss. Wobei ich mich ein bisschen schuldig gefühlt habe in meinem Diesel…

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Dort angekommen findet man vermutlich den aufgeräumtesten Flugplatz, den man je gesehen hat. Das Gebiet umfasst 85 ha, es gibt eine Motorbahn und vier Startrichtungen für Segelflieger. Die Außenlandemöglichkeiten in der Gegend sind absolut klasse und nicht mit dem Westen zu vergleichen. Toll fand ich auch die beachtliche und etwas gruselige Reichssegelflugschule direkt neben dem Flugplatz.

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Früher einmal war das Haus der Luftsportjugend eine Bildungsstätte des DAeC und sollte vor allem den Luftsport fördern und Jugendliche für den Luftsport werben. Sehr schade finde ich, dass die Förderung durch den DAeC vor einigen Jahren gestrichen wurde und so erhält sich das HdL inzwischen nur durch Spenden. Dabei ist der Verein „Haus der Luftsportjugend“ die absolut letzte gemeinnützige Jugendbildungsstätte für den Luftsport in Deutschland!

Insgesamt sieht alles nach einer sehr sorgsam betriebenen Jugendherberge mit Schlafmöglichkeiten für 115 Personen aus. Toll ist auch, dass der Flugbetrieb zwischen März und Oktober unter der Woche stattfindet und man an diversen Lehrgängen teilnehmen kann. Vor allem Leute, die ein BZF brauchen, deren Schein abgelaufen ist, die eine Fluglehrerausbildung oder Streckenfluglehrgang machen möchten und vieles mehr… kommen hier voll auf ihre Kosten. Sogar Bildungsurlaub kann man hier machen, da die Sozialkompetenz-Workshops von der Behörde für Schule und Berufsbildung offiziell anerkannt sind.

Ich werde auf jeden Fall wiederkommen und hier Urlaub machen. Danke den coolsten Mädels auf dem Flugplatz, Tati und Miri, für den tollen Ausflug! 🙂

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Facebookseite des HdL

Gründe für den Besuch meines Blogs – mal was Lustiges

Bei WordPress gibt es die Möglichkeit, Statistiken einzusehen. So kann ich relativ gut abschätzen, welche Artikel bei Lesern ganz gut ankommen und welche nicht. Während einer langen Winterpause habe ich beispielsweise weniger Klicks als nach einem herausragenden Segelflug-Wochenende. Ich kann auch sehen, ob die Mehrheit der Leser von Facebook kommt oder mich in Suchmaschinen gefunden hat. Da ich diesen Blog nicht beruflich betreibe, sondern nur ab und zu (bei wirklich viel Motivation) einen Beitrag veröffentliche, rufe ich diese Statistiken nur sehr selten ab. So wie heute… Ich wollte wissen, ob ich in der Suchmaschinen-Suche auftauche und welche Suchbegriffe Leser auf meinen Blog leiten. Ich habe daraufhin Tränen gelacht:

Suchbegriffe

Die abstrusesten Suchbegriffe habe ich mal nicht reinkopiert… 😀

Vielleicht schreibe ich noch einen Artikel über feuchte Luft (Meteorologie) oder den Slip (Seitengleitflug) im Endanflug. Einfach aus Neugier darüber, wie viele sich fälschlicherweise auf meinen Blog verirren, weil sie sexuelle Inhalte erwarten…

Fallen euch noch mehr Segelflug-Doppeldeutigkeiten ein?

Fliegende Wikinger

Read this text in English.

Während am 11. November dieses Jahres in Deutschland die Karnevalszeit gestartet ist, habe ich eine Einladung der Dänischen Segelfliegerunion dankend angenommen und als Anlass genutzt, um den Karnevalsjecken zu entfliehen.

Ich wurde bei der Ankunft nicht enttäuscht. In einem kleinen Örtchen namens Middelfart waren die Koryphäen der Segelfliegerwelt vertreten! Mein absolutes Highlight waren die Vorträge von Prof. Loek Boermans von der TU Delft, der sich mit der Forschung und Entwicklung von Laminarprofilen befasst, sowie von Uys Jonker – der Name sagt es schon – dem Inhaber von Jonker Sailplanes, der sicherlich eines der innovativsten Segelflugzeuge der Welt vorgestellt hat – die JS3.

Auf dem Konferenzprogramm stand auch mein Name und ich sollte einen Vortrag über fliegende Frauen und die Notwendigkeit von mehr Frauen in Segelflugvereinen halten – also im Groben meinen Blog vorstellen 😊

 Segelflugkonferenz

In Dänemark ist die Situation ähnlich wie bei uns in Deutschland. Auf der Konferenz waren einige wenige Frauen in den Reihen, die Mehrheit waren allerdings Männer. Meine größte Angst war, dass mein Vortrag als feministische Provokation aufgefasst wird und die dänischen Männer beschließen, in Zukunft gar keine Frauen mehr in ihren Vereinen aufzunehmen – aus Angst, dass so eine wie ich ihnen sexistische Witze verbieten möchte. Da habe ich wohl die dänischen Wikinger-Gene unterschätzt, denn das genaue Gegenteil ist auf dieser Konferenz passiert:

„Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.“ – Simone de Beauvoir

Und die Dänen – als Nachkommen der Wikinger – sind sich ihrer Männlichkeit sehr wohl sicher. Denn in Sachen Feminismus konnte ich sogar noch etwas von ihnen lernen. Ich musste feststellen, dass ich mir mein Leben lang männliche Verhaltensweisen angeeignet habe, um mich in der männerdominierten Welt zu etablieren und zurecht zu finden, beruflich wie privat. „Bloß keine weiblichen Züge zeigen!“ – „Bloß nicht als schwach gelten!“ – „Bloß nicht als Frau auffallen und sagen, dass ich Hilfe brauche!“

Jahrelang habe ich demonstrativ mein Blei selbst getragen, ohne dass ich auch nur Anstalten gemacht habe, jemanden um Hilfe zu bitten, der mir offensichtlich körperlich überlegen ist. So habe ich auch jahrelang im Maschinenbaustudium und auch während der Promotion vollkommen ignoriert, dass meine Herangehensweise an Probleme eine ganz andere ist als bei meinen männlichen Kollegen und meine Art der Kommunikation eine andere ist. Und dann komme ich nach Dänemark und muss feststellen, dass die Dänen längst erkannt haben, dass das so nicht sein muss.  

Das Fazit der Dänen kann man ungefähr so zusammenfassen: „Wir wissen, dass ihr Frauen nicht so seid wie wir und eure Herangehensweise ans Fliegen eine andere ist. Wir werten das nicht als besser oder schlechter, sondern einfach als anders. Da die Segelflugvereine allerdings von Männern geschaffen sind, sind sie für uns optimiert und nicht für euch. Wir möchten wissen, was wir ändern müssen, damit ihr euch in den Vereinen wohlfühlt und auch Streckenflug macht.“

WOW, ich bin jetzt 32 und habe so lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich meine Weiblichkeit nicht zwanghaft bekämpfen muss, um erfolgreich in der Welt zu sein. Denn meine Weiblichkeit ist nichts Negatives, wofür ich mich schämen muss, sie ist einfach genetisch bedingt. Ich bin dadurch nicht schlechter beim Fliegen und meine andere Herangehensweise an Probleme macht mich nicht zu einer schlechteren Ingenieurin. Vielmehr denke ich inzwischen, dass Männer und Frauen sich ideal beruflich und privat ergänzen. In dieser Hinsicht sind uns die Dänen, wie die meisten nordischen Völker, weit voraus. Diesen Stand der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen müssen wir in Deutschland erst noch erreichen.

Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich ein Teil der Segelflieger-Konferenz in Dänemark war und diese Sichtweise gelernt habe. Jetzt kann ich auch viel entspannter mit meinen „weiblichen Schwächen“ umgehen und habe mir fest vorgenommen, in der nächsten Saison die Männer beim Tragen von Blei um Hilfe zu bitten und nicht die Heldin zu spielen.

Ein großer Dank an die fliegenden Wikinger! Ihr seid auf dem richtigen Weg!

Vielen Dank auch an Jørgen Korsgaard für seine fortschrittliche und kluge Denkweise und die Einladung zu dieser tollen Veranstaltung. 🙂 

Emanzengetue

Gestern bekam ich folgende „anonyme“ Nachricht. Ob der Name des Versenders stimmt, weiß ich nicht. Seine Email-Adresse tut es nicht, sodass er meine Antwort leider nicht bekommt. Also daher auf diesem Wege:

TM_Nachricht

Guten Morgen,

danke für den Tipp, vielleicht benenne ich den Blog wirklich um. Im gleichen Atemzug möchte ich auch Ihnen einen ernsthaften, gut gemeinten Tipp geben: Menschen haben manchmal andere Meinungen als Sie. Das ist gut so und das macht die Diversität unserer Welt aus. Fühlen Sie sich doch nicht so angegriffen durch die Meinungen anderer. Sonst kommt es noch dazu, dass Sie willkürlich fremden Menschen samstags abends schriftliche Beleidigungen schicken und nicht daran denken, dass diese Menschen womöglich Ihre IP-Adresse haben (IP Thomas Müller: 217.19x.xx.xxx). Sie könnten sich damit nur selbst Probleme bereiten.

Ich nehme an, dass Sie einfach nur überreagiert haben. Ich habe kein Interesse daran, Ihnen Probleme zu machen. Segelflieger sollten unter sich sowieso loyal bleiben. Ich kann Ihre Überreaktion auch vollkommen verstehen, mir stößt die Meinung anderer auch manchmal bitter auf. Ich fühle mich z. B. oft irrationalerweise von Afd-Wählern persönlich angegriffen, da ich 1992 selbst als Flüchtling nach Deutschland kam. Wenn ich denen aber Beleidigungen schicke, bestärke ich ihre Meinung einfach nur und mache mich womöglich strafbar. Also bleibe ich erwachsen und ignoriere solche Menschen.

Dass ich so bin wie ich bin und diesen Blog so schreibe wie ich ihn schreibe, liegt sicherlich an dem Päckchen, welches auch ich auf meinem Buckel zu tragen habe. Ich erwarte nicht von Ihnen, dass Sie sich in mich hineinversetzen können. Wenn Sie sachliche Kritik an meinen Texten haben, freue ich mich darüber. Ich weiß, dass mein Blog nicht das Gelbe vom Ei und sicherlich verbesserungswürdig ist. Ich versuche andere Meinungen zu akzeptieren und möchte auch diverse Sichtweisen in meinem Blog aufnehmen. Wenn Sie etwas sachlicher bleiben würden, könnte ich mit Ihren Anmerkungen sicherlich mehr anfangen und Sie würden mir helfen, meine Texte zu verbessern. Wenn Sie allerdings nur Luft ablassen wollen, dann tun Sie das bitte woanders und nehmen Sie sich den Tipp von oben zu Herzen, damit Sie keine Probleme bekommen.

Allseits gute Landungen,
Jovana Dzalto

Außenlandung – der noch härtere Sport als Segelfliegen

Oje oje… wenn man sich die Bilder anschaut, denkt man, ich hätte nichts gelernt. Jeder Segelflieger würde sagen „braun vor grün!“. Warum lande ich also (nach meiner spektakulären Rhabarberlandung) diesmal in einem Weizenfeld (*Gerste!)?

Ganz einfach: Das bin ich gar nicht. Ich bin in dem braunen Kartoffelfeld daneben gelandet. Da lag allerdings ein dickes, rostiges Metallrohr (gleiche Farbe wie das Kartoffelfeld), welches dem Astir CS beim Ausrollen die Fahrwerksklappen gebrochen, das Flugzeug wieder in die Luft geschleudert und einige Meter nebendran ins Weizenfeld (*Gerste) versetzt hat.

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Astir CS im Gerstenfeld

Aber mal alles ganz von Anfang an:

Es war ein extrem vielversprechender Tag am 16. Juni 2017. Mein Freund Frank wollte 1000 km fliegen und ich ungefähr ein Zehntel davon. Außengelandet bin ich vor dem letzten Wendepunkt ungefähr an der schwarzen Markierung.

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Anfängeraufgabe und Außenlandemarkierung

Am Anfang lief alles bestens! Der Westwind war zwar stark, machte mir aber in der Nähe des Flugplatzes noch keine großen Sorgen. Ich zentrierte die Thermik als hätte ich mein ganzes Leben dafür geübt und stieg in wenigen Minuten auf 1500 m GND. Nach einer Strecke von 86 km machte mir die Abschirmung aber Sorgen und ich wollte Schweighofen ganz weglassen und nur noch den nächsten Flugplatz anfliegen. XCSoar meinte auch, dass die Höhe reichen würde, aber ich sank als würde ich eine Gefriertruhe mit zwei Stummelflügeln fliegen. Was war denn da eigentlich los?! Schon die ganze Zeit!

Und dann traf mich der Geistesblitz und ich ärgerte mich schwarz: DAS FAHRWERK WAR DRAUSSEN! Schon die ganze Zeit! Ich stieg super, aber statt vorwärts zu fliegen, schwebte ich quasi in der Luft und sank einfach. Hätte nie gedacht, dass es so viel ausmacht. Der Gegenwind hat mir dann den Rest gegeben. Als ich nur noch 200 m GND hatte, musste ich mir eingestehen, dass kein Weg an einer Außenlandung vorbeiführt.

Um mal wieder meinen Artikel zum Thema „Segelfliegen ist Sport“ aufzugreifen: Außenlandungen sind noch härterer Sport. Mein Puls stieg und ich befand mich laut Fitness-Tracker die halbe Landung über im Kardio-Modus. Ich glaube, dass diese Körperreaktion überlebensnotwendig in solchen Situationen ist. Mein Puls war so hoch, dass ich in jedem Moment schnell und exakt reagieren konnte. Aber das Herz schlägt nicht zu schnell, sodass ich ohnmächtig oder wahnsinnig werde. Den Rest des Tages verbrachte ich dann vor lauter Aufregung weiterhin im Fettverbrennungsmodus.

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Fitbit Pulsaufzeichnung während der Außenlandung

Allerdings würde ich Außenlandungen nicht gerade als Sportart empfehlen. Es kann immer mal etwas schiefgehen, denn aus der Luft sind viele Hindernisse nicht erkennbar. Beispielsweise ein rostiges, getarntes Metallrohr. Spaß hat es auch nicht gemacht.

Außer vielleicht das Fotoshooting mit den drei Polizisten aus Germersheim, die unbedingt Fotos für Twitter machen wollten und jetzt alles übers Segelfliegen wissen. 😊

Polizei_Twitter

 

Meldung im Presseportal:
http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/117686/3662028

Kullerfrau beim Hahnweidewettbewerb 2017

Der Hahnweidewettbewerb findet jährlich auf dem Flugplatz Hahnweide bei Kirchheim unter Teck statt. Für mich war es eine tolle Erfahrung, als Anfängerin passiv an so einem Wettbewerb teilzunehmen. Ich habe viel gelernt, vor allem wie so ein Wettbewerb abläuft. Im Grid kann man sich ganz tolle Flugzeuge anschauen, die zusammen Millionen von Euro kosten. In der 18-m-Klasse dominieren einige Flugzeugtypen das Bild: ASG 29 von Schleicher und der Ventus 3 von Schempp-Hirth. Ich habe meinen Freund Frank mit seiner LS 10 begleitet und war damit eine „Kullerfrau“.

 

Vor ungefähr einem Jahr bei der Qualifikation für die deutschen Meisterschaften in Lachen-Speyerdorf (EDRL) traf ich das erste Mal auf eine Kullerfrau. Ich war dort zu Besuch, weil das mein Heimatflugplatz ist und weil ich meinen Freund Frank besuchen wollte, welcher zum Bodenpersonal gehörte. Die Kullerfrau erklärte mir ungefragt, laut und langsam sprechend (wie für geistig beeinträchtigte Menschen), was überhaupt ein Kuller ist und warum man sie Kullerfrau nennen würde. Ich habe sie irgendwie entgeistert und ein bisschen belustigt angeschaut und versucht, ihre Gedankengänge nachzuverfolgen: „Aha, hier läuft eine Frau auf einem Flugplatz rum. Die hat sicherlich keinerlei Ahnung von nichts. Der muss ich jetzt mal meine (un)wichtige Rolle hier erklären.“

Als ich mich etwas länger mit ihr unterhielt, musste ich zwangsläufig an einen Text aus einem alten Streckenflug-Lehrbuch denken:

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Es wird noch besser:

Bild2

Ich kann gar nicht sagen, auf wie vielen Ebenen mich dieser Text verstört. Ich bin doch nicht die Dienstleisterin meines Freundes. Und eigentlich bin ich sehr froh, dass noch andere Frauen auf dem Hahnweidewettbewerb anwesend waren. Was will mir der Autor hier eigentlich unterstellen?! Tut mir wirklich leid für ihn, dass er so ein Frauenbild hat. Nachdem ich jetzt selbst Rückholerin auf einem Segelflugwettbewerb war, bin ich froh, dass ich eine bessere Antwort auf die Frage nach dem idealen Team eines Wettbewerbpiloten (oder einer Pilotin) gefunden habe:

Lieber Autor dieses Buches, liebe Kullerfrauen,

als Rückholer/in auf einem Segelflugwettbewerb ist man erst einmal ein vollständiges Crew-Mitglied. Es ist wichtig für die Motivation aller Beteiligten, dass die Crew vollständig in das Wettbewerbsgeschehen eingebunden wird. Dazu gehört, dass der/die Rückholer/in an der täglichen Flugvorbereitung, an den Briefings und an der Nachbereitung teilnimmt. Die neueste Technik ermöglicht es uns oftmals, den/die Piloten/in live zu tracken und mitzufiebern. Eine entspannte Atmosphäre im Team kann nicht allein durch die Geschlechterfrage gelöst werden („maximal eine Frau, sonst kommt es zum Zickenkrieg?“). Sogar die NASA hat herausgefunden, dass gemischte Astronautenteams aus 50 % Frauen und 50 % Männern besonders gut funktionieren. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass jedes Mannschaftsmitglied als gleichwertig angesehen und anerkannt wird. Wenn Kullerfrauen auf Dienstleistungen reduziert werden, kann es nicht funktionieren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Interesse vieler Rückholerinnen am Fliegen geweckt werden kann, indem man sie mehr in das Wettbewerbsgeschehen einbindet, statt sie als minderwertiges Mitglied zu behandeln. Ich hatte jedenfalls eine sehr lehrreiche Woche und viel Spaß am Wettbewerbsgeschehen. Ich freue mich jetzt schon auf meine eigenen ersten Wettbewerbserfahrungen.

Im Endeffekt hat es für meinen Freund Frank leider nicht für die Top-Platzierungen gereicht. Seine Mückenputzer waren kaputt und seine Motivation hat am Ende der Flugtage dadurch etwas nachgelassen. Aber als gutes Crew-Mitglied (mit einem Verständnis der Aerodynamik) habe ich selbstverständlich jeden Tag die Flächen poliert und versucht, ihn aufzubauen. Dasselbe erwarte ich in Zukunft aber auch von ihm.

 

VDI-Nachrichten – Pilotinnen ist nichts verboten

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Ist die Bezeichnung „Sport“ fürs Segelfliegen gerechtfertigt?

Die letzten Monate war es still um meinen Blog… und um mich. Sehr still. Ich habe jede Minute mit Hirntätigkeit dazu genutzt, um an meiner Dissertation zu schreiben. In den hirntoten Momenten – also beim Entspannen – musste ich mich aber ablenken. Das funktioniert für mich am besten beim Rumzappen zwischen Sixx, N24 und n-tv… Zwischen dem Hundeprofi Cesar Millan und UFO-Reportagen also.

Dabei ist mir eines früher nicht aufgefallen, was mich in den letzten Monaten aber umso mehr schockiert hat: Auf dem „Frauensender“ Sixx drehen sich gefühlt 90 % aller Werbungen ums Abnehmen. Sophia Thiel hier, Weight Watchers da und dann noch andere komische Gestalten, deren Namen in meinem Leben so unglaublich unwichtig sind. Jeder hat die beste Abnehmstrategie, jeder verspricht Erfolge ohne Hungern. Die Welt ist besessen vom Gewicht und dem Aussehen von Frauen!

Ich habe mich daraufhin gefragt, ob Segelfliegen gerechtfertigterweise als „Sport“ bezeichnet wird oder ob das so ein „Sport“ wie Schach oder Schießen wäre. Oder besser gesagt:

Kann man durchs Segelfliegen abnehmen?

Als Wissenschaftlerin wollte ich dieser Frage mal wissenschaftlicher nachgehen als Weight Watchers verspricht. Für meine Untersuchung habe ich einen Fitness-Tracker verwendet, der meine Herzfrequenz, meine Schrittanzahl, meine zurückgelegte Strecke und die verbrauchten Kilokalorien am Tag misst. Ich habe einen Tag am Flugplatz mit einem 45-minütigen Lauf sowie einem normalen Bürotag verglichen, an dem ich keinen Sport gemacht habe. Das Ergebnis hat mich selbst überrascht.

Ich habe beispielsweise an nur einem Flugplatz-Sonntag mehr Schritte zurückgelegt als an einem Tag mit 45-minütigem Lauf! Und vor allem habe ich mehr als doppelt so viele Schritte zurückgelegt als an einem langweiligen Bürotag.

Schritte

Auch die zurückgelegte Distanz lässt sich sehen: mehr als doppelt so viele Kilometer habe ich an einem Flugtag zurückgelegt, verglichen mit einem Bürotag. Ein Tag auf dem Flugplatz entspricht also fast einem Abend richtig laufen.

Distanz

Aber die verbrauchte Energie am Tag hat mich am meisten überzeugt. Ich habe fast 500 kcal mehr verbraucht als an einem normalen Werktag! Das sind um die 200 Gramm Pizza, die man sich ohne schlechtes Gewissen abends noch reinziehen und genießen kann.

kcal

Das Ergebnis ist eindeutig:

Segelflugsport ist SPORT!

Vielleicht sollte Sixx da mal eine Werbung machen…?!


Kurze Entschärfung, bevor ich das veröffentliche: Das ist natürlich keine wissenschaftliche Studie! Ich war mein eigenes und vor allem mein einziges Versuchskaninchen und habe nur je einen Tag verglichen. Sicherlich würden die Ergebnisse bei anderen Menschen und an anderen Tagen anders aussehen.

Und nein, ich unterstütze keinen Magerwahn! Ich gehöre aber auch nicht der Fraktion an, die Models die Schuld in die Schuhe schieben möchte. Generell haben wir ein gesellschaftliches Problem. Wir reduzieren Frauen zu häufig auf ihr Aussehen, was zu ungesunden Diäten führt, statt zu Spaß auf deutschen Flugplätzen. Schade eigentlich…