50 km-Flug

Der 50 km-Flug ist eine tolle Sache, wenn er gelingt! Und meinen hatte ich am 26. Mai 2016. (Was passiert, wenn einem der Flug nicht gelingt, zeige ich auf meiner Seite Außenlandung.)

Es ging von Lachen-Speyerdorf nach Sinsheim und ich wusste, ich wollte diesmal nicht in einem Gemüsefeld landen. Trotzdem machten meine Fluglehrer Witze wie „Jovana, es ist doch grad Spargelsaison!“

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Die Strecke von Lachen-Speyerdorf bis Sinsheim

Am liebsten hätte ich mir Idiotenthermik für dieses Vorhaben gewünscht. So eine durchgehende Cumulus-Straße bis Sinsheim am besten noch mit Rückenwind. Aber das wäre ja zu einfach gewesen. Wir bauten den Astir CS für mich auf und ich wollte seine eh schon relativ geringe maximale Gleitzahl von 37 zumindest mal annähernd optimieren und die Flächen an dem Rumpf und auch das Höhenleitwerk abkleben. Mit 3 cm PVC-Klebeband, welches wir noch übrig hatten, hat es selbstverständlich nicht funktioniert. Wäre ja auch zu einfach gewesen… Danach wurde mir gesagt, dass unser Logger kaputt ist und eingeschickt wurde. Für die Flugaufzeichnung kann ich ja einen Barographen mitnehmen, welcher den zeitlichen Verlauf des Luftdrucks aufzeichnet und beweist, dass ich nirgendwo zwischengelandet bin. Ja, im Ernst… das Ding schreibt mit Tinte auf eine Papierrolle und tickt dabei als würde es jeden Moment in die Luft gehen.

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Mein Fluglehrer Hermann und ich mit dem Barographen

Als ich vor lauter Unoptimiertheit schon abbrechen wollte, fasste ich doch den Entschluss, mit meinem Rhabarberfluch endlich zu brechen und meinen ersten richten Streckenflug von 50 km zu meistern. Ich wurde auf 500 m geschleppt, klinkte aus und zweifelte. Ganz mühselig stieg ich auf 900 m und musste dann endlich entscheiden, ob ich es wagen sollte. Ich erkannte eine Wolkenstraße ungefähr in die Richtung, in die ich fliegen wollte, der Barograph tickte, der Astir pfeifte aus allen unabgeklebten Schlitzen und Löchern und ich drehte mich nicht mehr zum Flugplatz um. Ich nahm einfach jede Wolke mit, die ging und die Zeit verging wie im Flug. Irgendwann war ich über dem Rhein und freute mich, weil ich das letzte Mal nicht so weit war und auch vor allem nicht in der Höhe! Als ich über Herrenteich war, fragte mein Fluglehrer meine Höhe und Position ab. „Herrenteich, 1000 m“, sagte ich. Und dann hörte über Funk ich einen der schönsten Sätze meines Lebens: „Das reicht bis Sinsheim!“

Natürlich glaubte ich ihm nicht!! Ich ging lieber auf Nummer sicher und sank nicht unter 1000 m, bevor ich Sinsheim wirklich sehen konnte. Das war vollkommen übertrieben, aber dafür hatte ich in Sinsheim Zeit. Viel Zeit. Ich schaute mir den Flugplatz an, die Concordes im Technikmuseum, wieder den Flugplatz, ich flog die Platzrunde 10 mal in zu großer Höhe so als übertriebene Vorbereitung, damit nichts schief geht später. Und irgendwann hielt ich es nicht aus und zog die Klappen, um schneller zu sinken, damit ich endlich landen kann. Ich hatte es geschafft!!! 🙂

Und ich hoffte so sehr, dass das der Barograph auch wusste. Ich zog den tickenden Terroristen aus dem Astir und wurde von den Sinsheimern erst mal dafür ausgelacht. Ich erzählte ihnen, dass ich den eigentlich dabei hätte, um ihn im Technikmuseum abzugeben. Aber ich überlegte es mir schnell anders, denn er hat alles perfekt auf Papier aufgezeichnet und ich wusste, ich hab etwas in der Hand, was ich einrahmen und irgendwann meinen Enkeln zeigen kann.

2016-08-17

Barogramm meines 50-km-Flugs von Lachen-Speyerdorf nach Sinsheim