Die praktische Prüfung

Ich überlege gerade, wann ich das letzte Mal im Leben so nervös war wie am 14. August 2016, am Tag meiner praktischen Prüfung zur Segelflugzeugführerin. Ich erinnere mich spontan an einen Vortrag, den ich vor 400 Leuten auf Englisch auf einer internationalen Konferenz vor sämtlichen (männlichen) Profis gehalten habe, die sich mit meinem Thema besser auskannten als ich damals als blutige Berufsanfängerin.

Der einzige Unterschied bestand darin, dass ich meine Nervosität während des Vortrags gut überspielen konnte. Die hat mir einfach niemand angesehen und mir hat niemand meine Kompetenz abgesprochen. Am Tag meiner praktischen Prüfung war ich allerdings einfach keine besonders gute Schauspielerin… Vielleicht liegt es auch daran, dass die Leute im Verein mich inzwischen sehr gut kennen, aber mir hat einfach jeder angesehen, dass ich nervös war. Um mich ein bisschen abzulenken, hat mein Fluglehrer (dessen Namen ich nicht nennen darf) für mich „an der Stange getanzt“… 🙂 Das nenne ich mal einen tollen Einsatz! Da können sich viele andere Fluglehrer eine Scheibe davon abschneiden.

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Um alle zu beruhigen, die das noch vor sich haben: Es ist wirklich nicht schlimm! Man muss nicht alles schon perfekt beherrschen. Dieser Irrglaube hatte mich erst so nervös gemacht, denn perfekt fliege ich sicherlich nicht! Wie auch? Mir fehlt einfach die Übung, die ich ja erst nach Scheinerwerb so richtig erlangen kann. Es ist ja auch nicht so, dass man ein Vorfahrtsschild oder eine rote Ampel überfliegen kann. Die Fahrprüfung ist da wesentlich kritischer, da kann so ein „kleiner“ Fehler direkt zum Nichtbestehen führen.

Die praktische Prüfung für die Segelfluglizenz besteht aus vier Abschnitten:

  • Flugvorbereitung und Abflug
  • Winden- und/oder Flugzeug-Schlepp
  • Allgemeine Flugübungen
  • Platzrunde, Anflug und Landung

Ich nehme an, dass jeder, der seinen 50-km-Flug hinter sich hat, alle 4 Punkte auch beherrscht. Geprüft wurde ich auf unserer ASK 21 und ich sollte zunächst einen F-Schlepp und zwei Winden-Starts mit dem Prüfer machen. So reibungslos ging das alles nicht ab, sicherlich auch wegen meiner Nervosität. Beim F-Schlepp war ich beim Abflug etwas zu hoch, noch bevor die Schleppmaschine abgehoben hatte. Kritisch war es aber nicht, weswegen der Prüfer nur meinte „Du bist ein bisschen zu hoch. Achte drauf, dass du das in Zukunft nicht machst!“ – Aha OK, ich hatte also eine Zukunft als Pilotin. Der Rest des Schlepps verlief gut und oben angekommen fing es auch direkt mit dem Schlimmsten an: Sackflug, Überziehen, vermeiden von Trudeln. Über der Kläranlage. Wo sonst auf der Welt könnte man einen Strömungsabriss noch brauchen?! Ich zog am Knüppel, wir wurden langsamer, die 21 schüttelte sich und im nächsten Moment kippte die Schnauze nach unten und wir rasten auf die braune Brühe zu. Alles hat gut geklappt und bevor ich mich von meinem Ekel erholen konnte, ging das Programm weiter: 30°-Kurven, 45°-Kurven, viele Fragen in der Luft, Slippen, Rollübungen, Schnellflug und wieder Fragen über Fragen. Dann meinte der Prüfer „Ach, wir müssen keine 3 Starts machen, wir machen noch einen Windenstart und dann reicht das!“ – War ihm schlecht wegen der Kläranlage??? Oder hab ich ihn mit meiner mittelmäßigen Leistung überzeugt??? Ich war mir nicht sicher… Vermutlich konnte ich das so nicht stehen lassen und war daher bei meiner ersten Landung viel zu hoch. Er ließ sich trotzdem nicht von seiner Idee abbringen und wollte nur noch einen Windenstart.

Inzwischen hatte ich mich etwas entspannt. Auch dass der Prüfer mich geduzt hat, hat mir ein bisschen geholfen. Er war wirklich sehr nett und das freundschaftliche Klima hat alles ein bisschen besser gemacht. Mein zweiter Flug war daher besser, wir sind noch ein bisschen in der Thermik gestiegen und ich hatte Gelegenheit, ihm von Gott und der Welt zu erzählen und davon, wie ich mich im Flugzeug mal übergeben musste. Hat ihn sicherlich alles sehr interessiert und er war dann auch froh, als ich meine Höhe abgeflogen habe. 🙂 Meine zweite Landung war sehr schön und sanft und am Boden angekommen hat er mir erst mal gratuliert! Zu meiner bestandenen Prüfung!

Jetzt kommt nur noch das Schlimmste: Das Warten auf die Lizenz!! Denn fliegen darf ich bis dahin nicht mehr.

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