Erster Alleinflug

Was hatte ich Angst! Mut gehört eindeutig nicht zu meinen Stärken. Überwindung schon. Nach 37 Starts war es endlich so weit, ich sollte am letzten Tag der Saison, am 26. Oktober 2014, alleine fliegen. In der K7, einem Segelflugzeug, welches älter ist als meine Mutter und irgendwie ein bisschen nach nassem Tafellappen riecht.

Ich war die Letzte, die es mitbekommen hat. Erst flog ich mit meinen Fluglehrern Hermann, dann mit Jürgen. Beim dritten Flug war ich ein bisschen entsetzt darüber, dass niemand hinten einstieg, aber ich ließ mir natürlich nichts anmerken. Angst ist schließlich nichts für Frauen… Ich versprach Jürgen, sanfter zu landen als beim letzten Flug und dann durfte ich starten.

Alles wie immer: Startcheck, Fallschirm angelegt, Gurte angelegt, Haube verschlossen und verriegelt… ich ging den Check zur Sicherheit 2 mal durch. Als ich nach gefühlten 30 Minuten abflugbereit war, wurde ich mit unserer Morane gezogen. Aus Gewohnheit zog ich den Knüppel, um die Kufe zu entlasten und bedachte nicht, dass das Flugzeug jetzt 90 kg weniger wiegt als zuvor. Die Morane war kaum angerollt und ich schoss in die Höhe. Nichts ist wie in den letzten 37 Flügen! Die Steuerung der K7 war direkter, ich war viel leichter und am schlimmsten: die alte Lady knarrt und rattert bei jeder kleinen Bewegung. Ich brachte mich selbst und das Flugzeug irgendwie unter Kontrolle und versuchte mich zu beruhigen.

Das Schleppflugzeug bot mir ein Gefühl von Sicherheit, denn ich war nicht alleine. Angeleint wie ein Hund fliegt es sich doch eigentlich ganz leicht… In 500 m angekommen, musste ich widerwillig leider ausklinken und war danach auf mich allein gestellt. Ich flog eine Rechtskurve und kam vermutlich irgendwie in die Wirbelschleppen der Morane. Die K7 und ich waren zusammen so leicht, dass wir einige Meter hochgerissen wurden und gleich darauf auch wieder runterfielen. Ich dachte nur noch: OK, das war’s. Jetzt ist es vorbei und ich kann nicht einfach parken und aussteigen. Das gutmütige Flugzeug flog aber einfach weiter und knarrte zufrieden, als wäre nie etwas passiert.

Ich hatte wirklich Angst. Mehr als jemals zuvor in meinem Leben. Ich könnte ja schließlich durch irgend eine falsche Verkabelung meines Hirns plötzlich die Ruder kreuzen und dabei zu langsam werden. Nein, trudeln möchte ich in dieser Höhe wirklich nicht. Und wenn ich mir das ganz genau überlege, möchte ich das alleine in gar keiner Höhe. Ich überlegte noch, wie viele Meter der Fallschirm wohl brauchen würde, um aufzugehen, würde ich jetzt rausspringen. Würde es reichen? Ich flog nur ganz flache Kurven über der Kläranlage und konnte mir ernsthaft keinen ekligeren Ort für einen Absturz vorstellen.

Und dann war ich auch schon bereit für die Landung. Ich schaute auf die Landebahn und erkannte, dass alle auf mich warteten. Ich war gerührt, zog die Gurte nach und war heilfroh, dass es gleich vorbei war. Mein Einschlag im Boden war OK… für eine Anfängerin. Dort angekommen, machten meine Fluglehrer noch Witze darüber, dass Frauen doch mehr Gefühl bei der Landung haben sollten. Offensichtlich ein Klischee, gegen das ich mich hartnäckig wehrte.

Als ich heilfroh darüber war, es endlich hinter mich gebracht zu haben, sagte man mir, ich müsse das insgesamt 3 mal machen an dem Tag für meine A-Prüfung. IST DAS EUER ERNST?! Ich bin fast gestorben eben! Das habe ich natürlich nicht gesagt, sondern so etwas wie: „OK, cool!“ Also das ganze noch mal, aber diesmal war ich vorbereitet und es wurde besser und meine Einschläge verwandelten sich sogar fast in Landungen. Ganz kurz beim dritten Flug – bestimmt 2-3 Sekunden lang – war ich sogar in der Lage, mir ein bisschen die schöne Herbstlandschaft anzuschauen, statt über die Suppe in der Kläranlage nachzudenken.

Nach meiner dritten Landung fühlte ich mich wie Superman und war der glücklichste Mensch der Welt. Und alle warteten schon darauf, Superman den Hintern zu versohlen.

Erste Landung

Meine erste Landung alleine in einer K7 am 26. Oktober 2014 in EDRL