Vereinseintritt

Segelfliegen ist ein Mannschaftssport! Auch ein erfahrener Pilot kann sich nicht einfach in sein Segelflugzeug setzen und darauf warten, dass die Gravitation sich ausschaltet. Deswegen existieren unzählige Flugsportvereine, in denen ehrenamtliche Fluglehrer einem das Segelfliegen beibringen.

Den richtigen Verein zu finden ist das A un O des Frauensegelflugs! Mir ist aufgefallen, dass die meisten Männer irgendwie in den Verein „reinrutschen“. Sie kennen jemanden, der jemanden kennt, der sie fragt, ob sie einfach mal mitkommen wollen. In meinem ganzen Leben (und ich bin nicht gerade die Jüngste…) hat mich das noch nie jemand gefragt. Piloten kommen gar nicht auf die Idee, dass ich spontan „ja“ sagen könnte.

Den Grund dafür habe ich versucht durch eine Paramterstudie herauszufinden. Ich habe inzwischen bereits unzählige Frauen gefragt, ob sie mal mit mir fliegen wollen. Die Reaktionen waren sehr ähnlich: „Was?! Oh ne, also das trau ich mich nicht!“ Manchmal auch: „Du bist doch verrückt!“ Oje, wir machen es den Männern hier ganz schön schwer. Ich kann ihnen echt keinen Vorwurf machen, dass ich noch nie gefragt wurde, ob ich mal mit fliegen komme. Einzig und allein meine Mutter hat gesagt: „Ich hab zwar Angst, aber ich fliege gerne mit dir mit!“ Aha, es liegt also in den Genen?!

Nun gut, ich nahm das damals selbst in die Hand. Meine Hemmschwelle war groß. Verein googeln, anrufen, Termin vereinbaren… Ich dachte mir noch: Wie soll ich Pilotin werden, wenn ich mir schon beim Telefonieren fast ins Hemd mache?! Es war Anfang März und die Saison hatte noch nicht begonnen. Der Flugsportverein Kaiserslautern hatte in der Nähe meiner Wohnung eine Werkstatt, in die ich spontan eingeladen wurde.

Ich kam an und es war irgendwie… verkrampft. Wir hatten ein bisschen Angst voreinander. Die Jungs hatten Angst, dass sie mich vergraulen, wenn sie etwas Falsches sagen und ich hatte Angst, dass sie mich nicht im Verein haben wollten. Erst viele Monate später ist mir aufgefallen, dass ich wohl die einzige Interessentin jemals war, die gesiezt wurde! 😀  (Ich beschloss dann, an meinem Auftreten zu arbeiten)

Nach einer Runde durch die Werkstatt mit vielen technischen Details, mit denen ich so ziemlich nichts anfangen konnte, wurde das Eis unfreiwillig gebrochen. Jemand fragte nach meinem Gewicht! WAS?! Und im gleichen Moment entschuldigte er sich. In den Segelflugzeugen sei eine Mindestzuladung vorgeschrieben. Die würde meistens so bei 70 kg liegen. Wenn die 70 kg nicht eingehalten würden, bekäme das Flugzeug eine gefährliche Schwerpunktrücklage. Aber das wäre kein Problem, denn man könne ja auch Blei mit in den Flieger nehmen. Ich musste sehr lachen, meine Parameterstudien haben nämlich auch schon ergeben, dass es nicht immer gut verläuft, Frauen nach ihrem Gewicht zu fragen. Ich weiß nicht, ob es die Eisbrecherfrage war oder die vielen Freundschaftsanfragen bei Facebook als ich nach Hause kam. Möglicherweise war es auch eine Kombination aus beiden mit der offensichtlichen Bemühung um mich und die Einladung zum Flugplatz… aber ich beschloss noch vor meinem ersten Probeflug in einem Segelflugzeug, dass ich auf jeden Fall in diesen lustigen Verein eintreten und Blei mit mir rumschleppen würde.

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Mein erster Flug vom 16. März 2014 im Motorsegler Falke SF25