Erster Höhenrekord

Manchmal, in ganz seltenen Momenten, hat man als Frau diese eine kleine (vermutlich hormonell bedingte) Charakterschwäche… man möchte besser sein als Männer. Am 8. Mai 2016 war so ein Tag und er fiel zufällig auf einen Flugsonntag. In Lachen-Speyerdorf am Flugplatz schaute ich zum Himmel und sah genau 2 kleine Wölkchen. An der einen kreisten 10 Segelflugzeuge! Sie sahen wahnsinnig hoch aus, ich schätzte über 1500 m und versuchte sie mit der Kamera festzuhalten. Mein erster Erfolg, denn die Auflösung meiner Augen war besser als die meiner (männlichen) Kamera. Ich freute mich und dachte über die Segelflieger oben: Was ihr könnt, schaffe ich sicherlich auch! Bisher war mein persönlicher Höhenrekord (ohne Fluglehrer) 1050 m und ich wollte schon lange höher hinaus!

Als ich fertig war mit Blei suchen, Kissenpositions-Optimierung (damit ich über das Cockpit hinausschauen kann), mentaler Vorbereitung und dem 5-km-Lauf bis zur nächsten Frauentoilette, waren sowohl die zwei Wölkchen als auch die 10 Segelflugzeuge verschwunden. Ich war ein bisschen enttäuscht darüber, dass keiner auf mich gewartet hatte. Ich startete mit unserem Astir CS und kreiste über dem geheimen Thermik-Eldorado: der Kläranlage! Ich stieg auf 1050 m und freute mir ein Loch in den Bauch, dass ich meinen persönlichen Rekord wieder erreicht hatte. Die Kläranlage gab aber so langsam den Geist auf und ich musste mir etwas anderes suchen.

Ironischerweise (und ich glaube, das ist an jedem Flugplatz so) findet man auch meistens einen Bart, wenn man landen möchte. Ich flog also die Position an, immer noch auf 1050 m, und hatte recht! Und was für einen Bart ich gefunden hatte. Ich wurde durchgeschüttelt, der Dreck flog mir ins Gesicht, das Vario schwankte zwischen Anschlag und +3 m/s. Ich stieg… und stieg… auf 1500 m, auf 1800 m, auf 2000 m. Die Luft wurde immer ruhiger. Weit weg sah ich eine ASK 21, das musste mein Fluglehrer mit einem Schüler sein. Er war ungefähr auf gleicher Höhe und das ließ ich natürlich nicht auf mir sitzen. Ich lutschte den Rest meines Bartes aus und stieg tatsächlich noch auf 2450 m.

Und zum ersten Mal in meiner Segelflugkarriere entspannte ich meine Muskeln komplett. Nicht nur die Beine und Arme, sondern auch Kiefer und Nacken. Nach der harten Arbeit war wirklich keine Kraft mehr übrig für Körperspannung. Ich lag im Astir wie in einer Badewanne, wischte mir den Dreck aus dem Gesicht und hätte am liebsten ganz cool den Arm raushängen lassen wie ein Checker. Bei 3 °C habe ich aber darauf verzichtet und fing stattdessen an, Bilder zu machen. Ich flog über der Haardt und sah von dort den Rhein. Es war wirklich einer der schönsten Momente meines Lebens. Vor allem weil ich es ganz alleine geschafft hatte.

Am Boden angekommen, fragte mein Fluglehrer, wie hoch ich gekommen wäre. Und er ärgerte sich ein bisschen, dass ich gewonnen hatte. Es ist ein schöner Trost, wenn andere die gleichen Charakterschwächen teilen 🙂

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